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Niedersachsen Landesregierung will Arbeit der Jugendämter überprüfen
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00:16 24.03.2019
Tjark Bartels (SPD), Landrat im Landkreis Hameln-Pyrmont, kommt am Donnerstag in den Sozialausschuss des niedersächsischen Landtags. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hannover

Nach dem tausendfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde nimmt auch die Kritik an den niedersächsischen Behörden zu. Das Hamelner Jugendamt soll dabei schwerwiegende Fehler gemacht haben. Der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), gerät zunehmend unter Druck. Bei einer Anhörung im Sozialausschuss des Landtags am Donnerstag, wurde er aus der eigenen Partei kritisiert.

„Wir haben es mit einem völligen Versagen des Kinderschutzes zu tun“, sagte die SPD-Abgeordnete Thela Wernstedt. Die Kinder seien von ihrer sozialen Umgebung und von den Behörden früh im Stich gelassen worden. „Es gibt ein Behördenversagen in ihrem Haus, an einer Stelle gepaart mit krimineller Energie“, erklärte Uwe Schwarz (SPD).

Der CDU-Abgeordnete Volker Meyer sagte, die Vorgänge im Jugendamt des Kreises hätten ein „schwerwiegendes Organisationsversagen“ offenbart, für das Landrat Bartels die politische Verantwortung trage.

Die Opposition forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, das Vorgehen des Jugendamtes intensiv aufzuarbeiten. „Die heutige Unterrichtung hat deutlich gezeigt, dass im Fall Lügde ein Systemversagen auf allen Ebenen vorliegt“, sagte Meta Janssen-Kucz (Grüne). Sylvia Bruns forderte indirekt den Rücktritt von Bartels: „Ich wüsste, wie ich mich im Hinblick auf mein Amt zu verhalten hätte.“

Der Landrat hatte zuvor im Ausschuss erneut Versäumnisse des Jugendamtes eingeräumt. Drei Hinweise im Jahr 2016 seien nicht entsprechend beachtet worden. „Da ist ein schwerer Fehler passiert“, sagte Bartels. Das Hamelner Jugendamt war für die Pflegetochter des 56-Jährigen Hauptverdächtigen Andreas V. verantwortlich. Die Hinweise, dass der Mann pädophil sein und das Mädchen missbraucht haben könnte, hätten laut Bartels ein Einschreiten erforderlich gemacht. Der arbeitslose Dauercamper soll gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die Ermittler sprechen von mehr als 1000 Fällen seit 2008.

Teile der Akte mit einem Hinweis auf die mögliche Pädophilie von Andreas V. waren kurz vor dem öffentlich Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Dezember 2018 von einer Mitarbeiterin des Jugendamtes gelöscht worden.

Das Sozialministerium will Konsequenzen aus dem Versagen der Behörden ziehen. Sozial-Staatssekretär Heiger Scholz kündigte am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtags an, dass es künftig verpflichtende Schulungen geben soll, um die Mitarbeiter der Jugendämter und Schulsozialarbeiter für Missbrauch zu sensibilisieren. Die Zusammenarbeit von Jugendämtern und Polizei solle verbessert werden. Das Ministerium will auch die Personalausstattung der Jugendämter überprüfen. „Das ist wohl der größte Fall von Missbrauch, der in Deutschland öffentlich geworden ist“, sagte Scholz.

Von Marco Seng

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