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Niedersachsen Mitarbeiter gehen gegen Werksschließung auf die Straße
Nachrichten Politik Niedersachsen Mitarbeiter gehen gegen Werksschließung auf die Straße
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23:02 13.03.2009
Wie geht es weiter mit der Conti? Quelle: Rainer Surrey
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Betriebsrat und IG BCE vereinbarten auf einer Krisensitzung, die Werksschließungen nicht widerstandslos hinnehmen zu wollen.

Die Arbeitnehmervertreter rufen nun zu Demonstrationen auf. Am Dienstag wollen die Conti-Beschäftigten nach einer Betriebsversammlung vor das Werkstor in Hannover-Stöcken ziehen. In Frankreich, wo ebenfalls ein Reifenwerk geschlossen werden soll, hatten aufgebrachte Arbeiter am Donnerstag demonstriert und Conti-Manager mit Eiern beworfen.

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Aus Protest gegen die Schließungspläne seien derzeit weltweit alle Kostensenkungsverhandlungen auf Eis gelegt, hieß es aus dem Konzern. In Hannover kritisiert die Belegschaft vor allem, dass sich der Konzern über ein vor gut acht Wochen verabredetes Eckpunktepapier hinwegsetzte, das betriebsbedingte Kündigungen ausschließen sollte. Conti argumentiert, seitdem hätten sich die Rahmenbedingungen dramatisch verschlechtert.

Niedersachsens Landesregierung bemüht sich, eine Werksschließung noch abzuwenden. „Es werden auf allen Ebenen Gespräche geführt“, erklärte ein Sprecher von Ministerpräsident Christian Wulff: „Wir sehen das schon als einen Schlag gegen die Arbeitnehmer.“ Wulff sei derzeit auf einer privaten Reise in Dubai, reise am Sonnabend aber dienstlich nach Japan. Dort werde er Conti-Chef Karl-Thomas Neumann treffen. Wulff stehe wegen der Conti-Krise aber auch mit der Kanzlerin in Kontakt – per SMS.

Niedersachsens stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte dieser Zeitung: „Ich erwarte, dass die Konzernführung Pläne entwirft, wie sie möglichst vielen der 780 in Hannover-Stöcken Beschäftigten eine Perspektive geben kann.“ Die Konzernspitze will die Reifenwerke in Hannover-Stöcken und im französischen Clairoix schließen. Insgesamt sind fast 2000 Mitarbeiter betroffen.

Die niedersächsischen Industriearbeitgeber kritisierten die „Tatenlosigkeit der Politik“ im Hinblick auf die darbende Nutzfahrzeugbranche und forderten eine Abwrackprämie für Transporter und Lkw. „Die Politik kann nicht länger die Lkw-Branche mit Mauterhöhungen überziehen und ansonsten tatenlos zusehen, wie eine der wichtigsten Vorzeigebranchen in den Ruin getrieben wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, dieser Zeitung.

Von Lars Ruzic und Michael B. Berger