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Niedersachsen Nenndorfer demonstrieren gegen Neonazis
Nachrichten Politik Niedersachsen Nenndorfer demonstrieren gegen Neonazis
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10:51 04.08.2011
Von Karl Doeleke
Neonazis wollen am Sonnabend in Bad Nenndorf aufmarschieren. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Bad Nenndorf

Nach einer vorsichtigen Prognose von Hans-Werner Wargel, Präsident des Verfassungsschutzes, wollen wie im vergangenen Jahr „bis zu 1000“ Neonazis in einem sogenannten Trauermarsch durch die Stadt im Kreis Schaumburg marschieren. Udo Husmann vom Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ sagte, die Beteiligung an dem friedlichen Gegenprotest werde in diesem Jahr noch einmal stärker sein. Im vergangenen Jahr waren über 1200 Menschen dem Aufruf gefolgt.

Ziel der Rechtsextremisten ist das Wincklerbad. Dort befand sich von 1945 bis 1947 ein britisches Militärgefängnis, in dem Gefangene auch gefoltert wurden. Seit sechs Jahren versuchen Rechtsextremisten das Wincklerbad als einen Wallfahrtsort für Neonazis zu etablieren. Wargel hält die Bezeichnung „Trauermarsch“ für durchsichtig: „Es geht darum, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren.“ Der Aufmarsch in Bad Nenndorf sei für viele Neonazis zu einer „Pflichtveranstaltung“ geworden.

Sorgen bereiten den Sicherheitsbehörden Gewaltbereite aus dem rechts- wie linksextremistischen Spektrum, die sich auf den Weg nach Bad Nenndorf machen könnten. Unter die Neonazis könnten sich laut Wargel 200 bis 250 Gewalttäter mischen, etwa 50 aus Niedersachsen. „Die Neonazis haben sich zwar die Selbstverpflichtung auferlegt, möglichst würdevoll und ohne Gewalt aufzutreten“, sagte Wargel. Bei einer Konfrontation mit Linksextremisten sei diese Gruppe aber durchaus gewaltbereit. Der Verfassungsschutz rechnet mit 150 bis 300 solcher Linksextremisten.

Der friedliche Protest beginnt bereits am Freitagabend mit einer Menschenkette durch Bad Nenndorf. Am Sonnabend findet um neun Uhr ein ökumenischer Gottesdienst der beiden christlichen Kirchen mit der jüdischen Gemeinde statt. Die zentrale Kundgebung ist für 11.30 Uhr in der Kurhausstraße geplant. Anschließend gebe es mehrere private Feste entlang der Route der Rechtsextremisten, sagte Husmann vom Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“.

Karl Doeleke 03.08.2011
Margit Kautenburger 03.08.2011