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Niedersachsen Neue Akten wecken Zweifel an Eignung von Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen Neue Akten wecken Zweifel an Eignung von Gorleben
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20:21 02.02.2010
Hochrangige Beamte hatten offenbar von Anfang an Zweifel, dass sich Gorleben als Endlagerstandort für hochradioaktiven Abfall eignet. Quelle: lni
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Einem Vermerk aus dem niedersächsischen Sozialministerium von 1981 zufolge äußerten hochrangige Beamte von Anfang an große Zweifel daran, dass sich Gorleben als Endlagerstandort für hochradioaktiven Abfall eignet. Den Vermerk hat die Fraktion der Linken im Landtag in den Gorleben-Akten entdeckt. Der umweltpolitische Sprecher der Linken, Klaus Herzog, sieht darin einen „klaren Beleg für die politisch motivierte Auswahl des Standortes Gorleben“.

Mit Blick auf die Erkundungsergebnisse der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig kommen die Verfasser zu folgendem Schluss: „Sowohl die hydrologischen Gegebenheiten im Deckgebirge als auch der innere Aufbau des Salzstocks bestätigen die bereits früher geäußerten Zweifel an der Eignung des Salzstocks.“ Dessen geologische Beschaffenheit sei kritisch einzustufen – wegen der bis in den Salzstock hineinreichenden Schmelzwasserrinne und der vielen Kalisalzflöze.

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Auch auf Bundesseite würden bereits alternative Standorte diskutiert. Das Bundesinnenministerium habe erwogen, mit dem Land Kontakt aufzunehmen, um einen neuen Standort auszuwählen. Dabei sei Wahn im Emsland aus geologischer Sicht gegenüber Gorleben zu favorisieren. Dennoch hielt der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), der vermutlich Kenntnis von dem Vermerk hatte, an Gorleben fest und veranlasste 1979 erste Probebohrungen.

Für Linken-Politiker Herzog ist auch die Abberufung des kritischen PTB-Projektleiters Klaus Duphorn 1982 in diesem Zusammenhang zu sehen. Anschließend sei auch die Erkundung alternativer Standorte aus dem Abschlussbericht der PTB entfernt worden.

Weitere Aktenfunde von 1981 belegen nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“, dass die damalige Bundesregierung von Helmut Schmidt (SPD) bei der Suche nach einem Endlager mehrere Standorte untersuchen lassen wollte. Allerdings habe sich unter der Regierung Kohl dann der Wind gedreht. Diese ließ 1983 negative Befunde zu Gorleben in den PTB-Berichten schönen.

Stück für Stück komme Licht ins Dunkel, sagt dazu Linken-Experte Herzog. Die Aktenfunde seien Futter für den geplanten Gorleben-Untersuchungsausschuss im Bund. Vor Gericht werde die politisch begründete Entscheidung für Gorleben später keinen Bestand haben.

Karl Doeleke und Margit Kautenburger