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Niedersachsen Neue Debatte über "Todesautobahn"
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22:31 20.07.2009
Von Karl Doeleke
259 Autos kollidierten auf der A2.
259 Autos kollidierten auf der A2. Quelle: Stefan Simonsen/ddp
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Am Sonntagabend waren zwischen Braunschweig und Lehrte binnen 20 Minuten 259 Fahrzeuge kollidiert. 66 Menschen wurden verletzt, 21 schwer. Zehn Unfallopfer schwebten vorübergehend in Lebensgefahr.

Die Polizei sprach am Montag von der größten Karambolage in der Geschichte der A 2. „Wir brauchen auf allen Transitstrecken in Niedersachsen eine elektronische Verkehrssteuerung mit flächendeckender Kameraüberwachung“, sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Enno Hagenah am Montag in einem Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Das kostet einige Millionen Euro, würde aber sofort zu mehr Verkehrssicherheit führen.“

Hagenah betonte, es sei dringender, in die Sicherheit der großen Transitstrecken zu investieren, als den Autobahnbau in der Lüneburger Heide, an der Küste und östlich von Osnabrück voranzutreiben. Die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie auf der A 2 seien auf der A 1 und auf der A 7 notwendig. Nach der Unfallserie vom Sonntagabend blieb die Autobahn 2 von Braunschweig-Nord an in Fahrtrichtung Hannover bis Montagmorgen gesperrt.

Nach Erkenntnissen der Polizei waren etliche Fahrer trotz Starkregens viel zu schnell unterwegs gewesen und hatten dabei einen zu geringen Abstand eingehalten. Viele seien zugleich durch die tief stehende Abendsonne geblendet worden. Eine Bilanz der insgesamt 73 einzelnen Unfälle konnte erst am Montagmorgen gezogen werden. Mehr als 350 Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdiensten waren im Einsatz. Die Feuerwehr richtete am Rand der Autobahn in zwei Zelten Verletztensammelstellen ein, von denen aus Hubschrauber und Krankenwagen die Opfer auf die Krankenhäuser der Region verteilten.

Schon in der Vergangenheit hatten Unfälle auf der bundesweit als Todesautobahn verrufenen A 2 die Politik beunruhigt. Bereits Ende 2008 hatte der damalige Landesverkehrsminister Walter Hirche (FDP) die Ausstattung der A 2 mit weiteren Verkehrsregelungssystemen in Aussicht gestellt. Der Bau von 19 neuen elektronischen Anlagen für eine variable Vorgabe des Tempolimits ist für 2010 vorgesehen. Schon seit dem Mauerfall hat der Verkehr auf der A 2, die unter anderem Rhein und Ruhr mit Berlin und Osteuropa verbindet, massiv zugenommen – was auch die Zahl der Unfälle steigen ließ.

Am Sonntag hatten die Opfer noch Glück im Unglück: Trotz der ungewöhnlich hohen Zahl von Unfallbeteiligten blieben die Zufahrten für die Rettungsfahrzeuge frei. Und wegen des Lkw-Fahrverbots am Sonntag fuhr nicht auch noch der Schwerlastverkehr in die bereits ineinander verkeilten Personenwagen.

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