Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Neue EU-Verordnung bringt Biobauern in Not
Nachrichten Politik Niedersachsen Neue EU-Verordnung bringt Biobauern in Not
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 01.03.2019
Landwirt mit Dünger- und Pestizidspritze: „Hier wird das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt.“ Quelle: Patrick Pleul/dpa
Hannover

Wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin – dieser Grundsatz soll für die neue Bioverordnung der EU gelten, die bereits vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde, aber erst 2021 vollständig in Kraft gesetzt ist. Was prinzipiell einleuchtend klingt, könnte viele Ökolandwirte in Nöte bringen – auch in Niedersachsen. Denn diese müssen künftig offenbar selbst dafür sorgen, dass ihre Lebensmittel nicht durch Pestizide aus der konventionellen Landwirtschaft verseucht werden. Das kritisieren zumindest Branchenverbände und die Grünen.

„Abdrift von konventionellen Feldern“ wird zum Problem

Bisher gelten für Biolebensmittel bei Pestiziden, Schwermetallen und anderen Umweltgiften dieselben Grenzwerte wie für konventionelle Lebensmittel. Da Ökobauern auf synthetische Pestizide verzichten, sind ihre Erzeugnisse in der Regel weniger damit belastet. Wenn dennoch Rückstände gefunden würden, handele es sich häufig um „Abdrift von konventionellen Feldern“, sagt die Biobranche. Die EU will nun offenbar, dass Biolandwirte alle ihre Feldnachbarn schriftlich darauf hinweisen, dass sie ökologisch wirtschaften – und dass sie deshalb Schadensersatz fordern könnten, falls ihre Ernte durch den unsachgemäßen Gebrauch von Pestiziden kontaminiert würde.

In Einzelfällen müssten die Biobauern bis zu 80 Betriebe in der Umgebung informieren, um auszuschließen, dass der Wind Pestizide auf ihre Felder trägt, sagte Thomas Morgenstern vom Bio-Anbauverband Demeter der HAZ. „Das ist absurd.“ Notfalls müsste der biologisch wirtschaftende Hof die Schadensersatzforderung gerichtlich durchsetzen, erläuterte Morgenstern. „Der betroffene Betrieb würde sofort seine Ökozulassung verlieren.“

„Verantwortung wird dem Biobauern in die Schuhe geschoben“

„Hier wird die gesamte Verantwortung dem Biobauern in die Schuhe geschoben, der die konventionellen Nachbarn dazu bringen soll, dass keine Pestizide herüberwehen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte der HAZ. „Hier wird ganz klar das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt. Den wirtschaftlichen Schaden hat im Zweifelsfall der Biolandwirt.“

„Bioproduzenten dürfen nicht für Pestizide und andere Schadstoffe büßen müssen, die sie freiwillig gar nicht benutzen“, erklärte Joyce Moewius, Sprecherin des Bundes Ökologische Landwirtschaft. „Entsprechende Regeln würden auch nicht dazu führen, dass weniger Pestizide in Deutschland und der EU auf den Acker kommen.“

2000 Betriebe sind betroffen

Das Agrarministerium wies darauf hin, dass künftig jedem Rückstandsbefund noch genauer nachgegangen werden müsse und dass die Unternehmen weitreichende Vorsorgemaßnahmen treffen müssten, um Belastungen mit Stoffen zu vermeiden, die nicht für die Verwendung in der ökologischen Produktion zugelassen seien. Auch die ökologische Landwirtschaft erfolge „nicht unter einer Käseglocke“, sondern in der freien Natur, sagte Ministeriumssprecherin Natascha Manski. Die Ökoproduktion könne vor „Abdrift von Schadstoffen aus Nachbarregionen nie vollständig geschützt werden“.

Laut Ministerium gibt es insgesamt rund 2000 Ökobetriebe mit rund 110 000 Hektar Ökofläche in Niedersachsen.

Von Marco Seng

Niedersachsen will die Rechte von Paketboten stärken. Dafür hat das Landeskabinett eine Bundesratsinitiative beschlossen.

01.03.2019

Plötzlich gab der Rollstuhl von Monika Nölting den Geist auf – und blieb mitten auf den Gleisen vor dem Hauptbahnhof Hannover stehen. Erst mit enormem Aufwand kann die 59-Jährige aus Northeim aus der Situation befreit werden. Und die Probleme gehen weiter. Der Fall wirft unbequeme Fragen zur Barrierefreiheit in Niedersachsen auf.

01.03.2019

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius reagiert auf die Probleme bei Abschiebungen: Eine neue Landesbehörde soll schneller und effektiver arbeiten.

28.02.2019