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Niedersachsen Neuer Agrarminister Lindemann arbeitet an härteren Tierschutzregeln
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22:52 17.12.2010
1Gert Lindemann wird Agrarminister. Quelle: dpa
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Im neuen Jahr will die niedersächsische Landesregierung neue Regeln für den Tierschutz in der Landwirtschaft ansteuern. „Ich werde mir über Weihnachten selbst ein Bild machen und im neuen Jahr mitteilen, wo Handlungsbedarf besteht“, sagte Ministerpräsident David McAllister am Freitag. Er setze dabei besonders auf die Unterstützung des neuen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann (63), der am 19. Januar im Landtag vereidigt werden soll. Der Ministerpräsident sprach von „berechtigten Forderungen großer Teile der Gesellschaft“ nach mehr Tierschutz.

McAllister hatte Lindemann am Freitag zum Nachfolger der am gleichen Tag zurückgetretenen Astrid Grotelüschen bestimmt. Beide Koalitionsfraktionen begrüßten diese Wahl ausdrücklich. Grotelüschen, die wegen ihrer Vergangenheit als Managerin in der Massentierhaltung angegriffen worden war, hatte auf ihr Amt verzichtet – „weil sie ihre Familie schützen und Schaden vom Agrarland Niedersachsen abwenden will“, wie McAllister erklärte. In jüngster Zeit verlauteten Vorwürfe, in Betrieben ihres Ehemannes seien Dumpinglöhne gezahlt und Mitarbeiter ausgebeutet worden. Dagegen will Grotelüschen gerichtlich angehen.

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Lindemann ist in der Agrarpolitik ein alter Bekannter. Der Jurist kam vor 31 Jahren als persönlicher Referent des Ministers Gerd Glup ins Agrarministerium und arbeitete sich dort bis zum Staatssekretär hoch. In dieser Funktion wechselte er 2005 in die Bundesregierung, wurde aber Anfang dieses Jahres von seiner Ministerin Ilse Aigner (CSU) entlassen. Zu den Nebenämtern, die er bis heute aus dieser Zeit hat, gehört der Aufsichtsratsvorsitz der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft, die ehemaliges Treuhandvermögen verkaufen soll. Dieses Amt wird er jetzt abtreten.

Die Reaktionen auf den neuen Minister waren unterschiedlich. Während der Landvolkverband von einer „guten Wahl“ sprach, kritisierte SPD-Chef Olaf Lies, McAllister handele verspätet und sei „zum Getriebenen der Machenschaften seiner früheren Ministerin“ geworden. Die Grünen nannten Lindemann einen „Mann der alten Schule“, der auch für die Massentierhaltung stehe. Die Linken und der Naturschutzbund Nabu forderten eine Wende in der Agrarpolitik, es müsse einen Baustopp für neue Riesen-Ställe geben.

Klaus Wallbaum