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Niedersachsen Brennpunktschulen in vier Städten erhalten Hilfe vom Land
Nachrichten Politik Niedersachsen Brennpunktschulen in vier Städten erhalten Hilfe vom Land
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15:51 18.10.2018
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD, Mitte) gab die Pressekonferenz zusammen mit den Oberbürgermeistern Quelle: Döhner
Hannover

20 Brennpunktschulen in Hannover, Salzgitter, Wilhelmshaven und Delmenhorst bekommen künftig Hilfe vom Land. In Hannover werden acht Schulen gefördert, in Salzgitter sechs, in Delmenhorst und Wilhelmshaven jeweils drei. Sie liegen in Stadtteilen mit hoher Arbeitslosigkeit und Kinderarmut, in denen viele Familien auf Sozialleistungen angewiesen sind, ausländische Wurzeln haben und als bildungsfern gelten.

„Die soziale Herkunft und der damit verbundene Lebensort hat nach wie vor einen ganz entschiedenen Einfluss auf den Bildungserfolg eines Kindes“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), als er am Donnerstag das Programm „Schule plus“ in Hannover vorstellte. Es gehe nicht um Musterlösungen, sondern um die jeweils passende Unterstützung für die einzelnen Standorte, die von Schulentwicklungsteams, denen auch Fachberater der Landesschulbehörde und Schulpsychologen angehören, erarbeitet werden sollen. Das Land gibt für „Schule plus“ insgesamt sechs Millionen Euro aus, es läuft zunächst bis Schuljahresende 2019/2020.

Die Schulen bekommen zu Beginn insgesamt 300 Lehrerstunden zur Verfügung gestellt, zudem gibt es ab dem nächsten Jahr weitere 75 Vollzeitlehrerstellen und 25 Vollzeitstellen für Sozialpädagogen.

Ziel sei es, das Programm auf Schulen in weiteren Städten auszurollen, sagte Tonne. Das Interesse in den Kommunen an Hilfe für Brennpunktschulen sei groß. Es gehe nicht darum, Standorte zu stigmatisieren, sondern Schulen mit besonderen Herausforderungen besonders zu unterstützen. Dabei gingen die Bemühungen von Land und Kommunen Hand in Hand. Neben dem Minister waren bei der Vorstellung des Programms auch die Oberbürgermeister von Hannover, Salzgitter und Wilhelmshaven sowie der Erste Stadtrat von Delmenhorst anwesend.

In Hannover erhalten die Grundschulen Hägewiesen, Mühlenberg, Wendlandstraße und Tegelweg sowie die Peter-Ustinov-Oberschule, die Johannes-Kepler-Realschule und die Integrierten Gesamtschulen Badenstedt und Vahrenheide/Sahlkamp Hilfe aus dem Landesprogramm. Die IGS Badenstedt fühlt sich allerdings von dem Begriff „Brennpunktschule“ diskriminiert.

„Schule plus“ sei ein Zeichen des Landes, dass die bisherigen Anstrengungen der kommunalen Schulträger gewürdigt würden, betonte Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok. Es gelte auch, die bestehenden Hilfsangebote in den Stadtteilen in das Programm zu integrieren.

Kritik an dem Vorhaben kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Durchschnittlich 15 Lehrerstunden mehr pro Schule seien „dürftig“, erklärte GEW-Geschäftsführer Rüdiger Heitefaut. Es reiche nicht, 20 einzelne Projekte anzufangen – man brauche ein neues Gesamtkonzept für Schulen in sozialen Brennpunkten, betonte er. Heitefaut forderte deutlich mehr Lehrerstunden, um die Klassen verkleinern zu können und zusätzliches pädagogisches Personal für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler.

Eltern hatten in Hannover Verrohung und Gewalt beklagt

Im Frühjahr 2017 hatten sich Eltern und Lehrer der Grundschule Mühlenberg in Hannover hilfesuchend an die Behörden gewandt und von einem Klima der „Verrohung und Gewalt“ berichtet. Das Kultusministerium, damals auch SPD-geführt, schickte daraufhin 50 Sozialpädagogen an Problemschulen.

Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel wies darauf hin, dass sich immer mehr Erziehungsaufgaben aus den Elternhäusern in die Schulen verlagert hätten, in vielen Familien müssten beide Eltern arbeiten, an manchen Schulen liege die Quote der Migrantenkinder bei 75 bis 80 Prozent. Von den gut 6000 Flüchtlingen in Salzgitter seien 95 Prozent auf Sozialleistungen angewiesen. Die Arbeitslosenquote liege bei 10 Prozent.

Andreas Wagner, Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, berichtete von Haushalten, in denen Kinder unter der Armutsgrenze leben. Es gebe nicht nur Schüler, die Förderung beim Lernen oder in der Sprache nötig hätten, sondern im Verhalten, in der Gesundheit und in „ganz lebenspraktischen Dingen“: „Viele Eltern sind nicht geeignet, Kinder zu erziehen“. Seit 2011 seien alle Schulen auf Ganztagsbetrieb umgestellt worden, das habe vieles erleichtert. Hilfe hätten eigentlich alle Schulen in Wilhelmshaven nötig, sagte Wagner, außer ein, zwei Standorte in privater Hand. Zusätzliche Lehrerstellen seien gut, sie müssten aber auch besetzt werden, schon jetzt hätte die Stadt in ihrer Randlage Probleme, geeignete Bewerber zu finden.

Von Saskia Döhner

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