Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Niedersachsen – Land der Schwarztrinker?
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsen – Land der Schwarztrinker?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:28 09.04.2012
Von Karl Doeleke
Das Bier fließt reichlich, die Steuereinnahmen nicht. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die Niedersachsen trinken, das mag den einen oder anderen verwundern, nicht sonderlich viel Bier. Insgesamt 10,5 Prozent des bundesweiten Absatzes sind im Jahr 2010 durch niedersächsische Zapfhähne geflossen (und durch einige in Bremen), was umgerechnet auf den Bevölkerungsanteil im Rahmen des statistisch Erwartbaren liegt. Was dann aber doch verwunderlich ist und nun die Landtagsfraktion der Grünen auf den Plan ruft: Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) scheint nur unterdurchschnittlich vom Biergenuss der Niedersachsen zu profitieren. Die Grünen wollen nun Licht in das Missverhältnis von Konsum und Steueraufkommen bringen. Sie haben daher eine Parlamentsanfrage zur Situation der Brauereien an die Landesregierung gerichtet.

„Das Aufkommen aus der Biersteuer ist in Niedersachsen im Verhältnis zum Verbrauch sehr niedrig“, heißt es in der Landtagsanfrage. Die Oppositionsfraktion will wissen, warum das so ist und wie die Regierung ein Gleichgewicht herzustellen gedenkt. Auch den Finanzminister dürfte die Frage interessieren, denn die Biersteuer steht ausschließlich den Ländern zu. Der Haushaltsplan 2012 weist nach Angaben der Grünen für das Jahr 2010 nur ein Biersteueraufkommen von rund 27 Millionen Euro auf. Es müsste ihren Angaben zufolge aber deutlich mehr als 50 Millionen Euro betragen.

Anzeige

Es geht den Grünen nicht nur um den fiskalischen Aspekt des Biergenusses. Eines der „ältesten Kulturgetränke der Menschheit“ sei das Bier, und da seien - zumal in der Maibock-Zeit zwischen April und Juni - grundlegende Fragen zum Brauwesen erlaubt. Auch um „teilweise drastische Preisanstiege“ sorgen sich die Fragesteller Helge Limburg, Enno Hagenah und Christian Meyer. Und auch um die Übermacht der großen Braukonzerne gegenüber kleinen Unternehmen. „Mehrere kleinere oder mittlere Betriebe wurden von internationalen Brauereikonzernen übernommen“, die Gilde-Brauerei in Hannover zum Beispiel. Auf Kosten des örtlichen Bieres versuche der weltgrößte Konzern InBev seit der Übernahme seine überregionalen Marken in den Markt zu drücken, beklagen auch viele Experten am Tresen. Welche kartellrechtlichen Maßnahmen die Landesregierung gegen die „Konzentrationsprozesse im Brauereimarkt“ zu ergreifen gedenkt, fragen nun die Grünen. Sie wollen auch wissen, wie viele Brauereien es im Land noch gibt - und wie viele von diesen Brauereien Biere mit Ökosiegel herstellen.

Selbstverständlich fragt die Fraktion auch nach dem Dosenpfand in Höhe von derzeit 25 Cent: Es müsste, das lässt sich aus der Fragestellung schließen, nach Auffassung der Grünen erhöht werden.

09.04.2012
03.04.2012