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Niedersachsen Weil lädt Peres nach Niedersachsen ein
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00:16 03.06.2014
Von Michael B. Berger
Stephan Weil besuchte nach seinem Treffen mit Peres die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Quelle: dpa
Jerusalem

Nein, diesmal bitte kein Interview. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil winkt ab. Eben ist er durch Israels nationale Gedenkstätte Yad Vashem gegangen, hat eben die Halle zum Gedenken der ermordeten Kinder durchschritten, wo vier tausendfach sich spiegelnde Kerzen das Ausmaß der Vernichtung widerspiegeln. Eine Million Kinder sind es am Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen. Nein, jetzt kein Interview. Weil weiß, wann es besser ist zu schweigen. Aber zum Reden ist ihm nun wirklich nicht zumute.

Dabei hat er, der zum ersten Mal Israel bereist, nur getan, was alle Bundesratspräsidenten und Ministerpräsidentenkollegen auch tun. Er hat einen Kranz in Yad Vashem abgelegt. Das Übliche eben. Aber so ein Museum wie Yad Vashem, in das im Jahr etwa eine Million Menschen pilgern, ist eben nicht das Übliche. Das sieht man auch einigen aus Weils kleiner Delegation an, etwa Yazid Shammout, dem Vorsitzenden der Palästinensischen Gemeinde in Hannover, den Michael Fürst, Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde in Niedersachsen, mitgebracht hat. Die beiden kennen sich, sie schätzen sich, weil sie die Leiden ihrer Leidensgenossen nicht einfach gegenrechnen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist in seiner Funktion als Bundesratspräsident für mehrere Tage in Israel zu Besuch.

Vor allem bei Shammout sieht man, wie es jetzt in ihm arbeitet. Denn bei den Vertreibungsgeschichten, die hier in Yad Vashem ausgebreitet werden, denkt er an ganz andere Szenen, die sich aber nicht in Europa, sondern in Palästina abgespielt haben. "Exzellent gemacht, dieses Museum", sagt der Palästinser aus Hannover. Nichts sei mit dem Verbrechen, welches die Nationalsozialisten an den Juden verübt haben, vergleichbar. Aber manches erinnere ihn eben auch an die Tragödien, "die wir Palästinenser erlebt haben". Ein "trotzdem gut, dass ich hier war", ringt sich der Palästinenser noch ab an dieser Stätte, die von jüdischem Tod, jüdischem Widerstand und jüdischer Wiedergeburt erzählt.

Der Palästinenser in Weils kleiner Delegation sorgt auch am Sonntagmittag zumindest für einen Aha-Effekt, als Israels Staatspräsident Schimon Peres die Niedersachsen empfängt. Der kleine Mann mit dem sonoren Bass, der wesentlich jünger als seine 90 Jahre wirkt, wenn er spricht, gibt jedem der Gäste die Hand, stutzt aber, als sich Shammout vorstellt. "Wieviele Palistenenser leben in Niedersachsen?", fragt Peres. 2000 entgegnet Shammout. Aha. Weiter im Programm. "In welcher Sprache wollen wir reden", fragt der Präsident den Besucher Weil: "Geht es auf englisch?" "Hopefully", entgegnet der Niedersachse. Und "I will do my very best." Dann erwähnt Weil den Friedensprozess, den der amerikanische Außenminister Kerry vor kurzem angestoßen hat und fragt Peres, was er denn davon halte: "Sie sind in Deutschland eine Legende und stehen geradezu für den Friedensprozess." Als Schimon Peres zu einer längeren Antwort ansetzt, wird die Presse aus dem kleinen Empfangsraum gebeten.

Von dem knapp einstündigen Gespräch mit Peres, der in seiner langjährigen Karriere in Israel fast alle Ämter bekleidet hat, werden sie später alle schwärmen, Stephan Weil, Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel, aber auch Michael Fürst, den es sehr freuen würde, wenn Peres der Einladung nach Bergen-Belsen folgen würde. Denn das Charisma, das Peres ausströmt, hängt nicht am Präsidentenamt, das er am 10. Juli abgibt. Weil hat den Friedensnobelpreisträger zum 26. April 2015 nach Bergen-Belsen eingeladen, wenn dort die Befreiung des Konzentrationslagers gefeiert werden wird, die sich 2015 zum 70. Mal jährt. Peres versichert, das prüfen zu wollen.

Nicht dabei bei diesem Besuch sind die jüngsten Teilnehmer der Delegation. Sechs Schüler reisen mit, 18- und 19-jährige, die in Alfeld oder Barsinghausen zur Schule gehen. Sie haben sich im Unterricht schon viel mit dem Staat Israel beschäftigt, der sich im Nahen Osten als eine Art innovationsfreundliches "Start-Up-Unternehmen" begreift, und wissen mehr als andere von der für die Juden verhängnisvollen deutschen Geschichte. "Das ist schon eine Ehre an einer so kleinen Delegation teilzunehmen", sagt Annika Bächle vom Hannah-Arendt-Gymnasium in Barsinghausen, die sich für das Hintergrundgespräch mit dem Deutschen Gesandten schwer in Schale geworfen hat. Ihr Mitschüler Burkhard von Pappenheim ist überrascht, wie unkompliziert und natürlich der Ministerpräsident mit den Jugendlichen umgeht. "Für mich ist dieser kurze Besuch sehr spannend, auch weil ich im August ein freiwilliges soziales Jahr in Israel beginnen werde", sagt von Pappenheim. Auch Mitschüler Ruben Gerbing ist gespannt, was die kommenden zwei Tage noch bringen werden.

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