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Niedersachsen Erfolglose Suche nach Problemwolf: Minister Lies bittet die Jäger um Hilfe
Nachrichten Politik Niedersachsen

Niedersachsen bittet Jäger um Hilfe bei Jagd auf Problemwolf aus Rodewald

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20:14 13.09.2019
Die erfolglose Jagd auf den Rodewalder Wolf hat das Land Niedersachsen bislang mehr als 83.000 Euro gekostet. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Nach acht Monaten erfolgloser Suche nach dem Rodewalder Problemwolf signalisiert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) einen Kurswechsel. Er bittet Niedersachsens Jäger um Mithilfe bei der Suche und der Tötung des Tieres. „Alle bisherigen Versuche sind gescheitert. Es geht nicht ohne die Hilfe der Jäger“, sagte Lies am Freitag der HAZ: „Es geht allerdings nicht allgemein um eine Jagd auf Wölfe, sondern um die gezielte Entnahme dieses Rodewalder Problemwolfes.“

„Es geht nicht um alle Wölfe“

Seit Ende Januar eilt ein vom Land beschäftigter „Dienstleister“ dem Tier hinterher, das auch hohe Zäune nicht davon abhalten, selbst schwere Rinder anzufallen. Laut Antwort auf eine Anfrage der Grünen hat die bisher erfolglose Suche das Land bereits 83.000 Euro gekostet. Dass das bisherige Verfahren erfolglos war, muss auch der Umweltminister einräumen. „Wir brauchen ganz klar die Ortskenntnis der Jagdpächter, deshalb bitte ich die Jäger um Hilfe“, sagt der Minister. Es dürfe nur nicht der Eindruck entstehen, als bliesen er oder die Jäger ganz generell zur Jagd auf Wölfe. „Es geht um die Ausnahme, es geht um die Entnahme des Problemwolfs.“ Man brauche nur eine rechtliche Absicherung, dass Jäger nicht rechtlich belangt würden, wenn sie aus Versehen ein falsches Tier töteten.

Lies weist darauf hin, dass das Bundeskabinett in der kommenden Woche eine Reform des Naturschutzrechtes einbringen will, die eine Beteiligung von Jägern bei der Entnahme ermöglicht. Von einer Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht hält der Umweltminister wenig. Dadurch könne der Eindruck entstehen, nun werde zur allgemeinen Jagd auf den Wolf geblasen. „Das bringt uns nicht weiter.“

Dammann-Tamke fordert Garantien

Bei der Niedersächsischen Landesjägerschaft stößt Lies’ Bitte auf offene Ohren. „Dass der Minister erklärt, dass er die Hilfe der Jäger braucht“, ist nach Worten des Präsidenten der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke die erste Voraussetzung. Es müsse aber wirklich sichergestellt werden, dass die Jäger keine Sanktionen bekämen, wenn sie auf den falschen Wolf schießen sollten. Eine Freigabe für den Abschuss – Lies spricht von Entnahme – sollte es nach den Worten des Jägerpräsidenten aber nur für Jagdpächter oder Revierverantwortliche geben. Das beträfe etwa 15 Prozent der niedersächsischen Jäger. „Man muss bei diesem heiklen Thema auch gewährleisten, dass der erlegte Problemwolf an einem bestimmten Platz abgelegt werden kann, um den Jäger zu schützen“, sagt Dammann-Tamke. Denn bei diesem aufgeheizten Thema sei mit allem zu rechnen. Jäger hätten schon Morddrohungen erhalten.

230 Wölfe im Land

Auch im niedersächsischen Landtag war die erfolglose Wolfssuche kritisiert worden. Der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe hatte von einem „eklatanten Staatsversagen“ gesprochen. Der Nienburger CDU-Landtagsabgeordnete Frank Schmädeke berichtete, dass am Donnerstag in Steimbke ein mutmaßlich von einem Wolf gerissenes Rind entdeckt worden sei, das sich mit 17 weiteren Tieren auf einer Weide befand. Wahrscheinlich sei das bis zu 500 Kilogramm schwere Tier von mehreren Wölfen angegangen worden. In Niedersachsen leben derzeit 24 Wolfsrudel, sowie eine Reihe von Einzeltieren. Insgesamt gebe es 230 Wölfe, schätzt das Umweltministerium.

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