Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Niedersachsen – ein großer weißer Fleck
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsen – ein großer weißer Fleck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:03 09.12.2009
Von Karl Doeleke
Anzeige

Gut 30 Prozent der Internetanschlüsse in Niedersachsen erreichen nicht einmal eine Bandbreite von zwei Megabit pro Sekunde und ermöglichen es so gerade noch, elektronische Post zu verschicken. Sollen zum Beispiel nur Fotos versendet werden, gehen diese Leitungen schon in die Knie. Das ist das Ergebnis des ersten Breitbandatlas für Niedersachsen, der Mittwoch im Wirtschaftsministerium vorgestellt wurde.

Die Gebiete im ländlichen Raum, in denen laut Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke 70 Prozent der Bevölkerung leben, gelten damit nach offizieller Lesart der Landesregierung als „unterversorgt“. Sie sind im Atlas als „weiße Flecken“ verzeichnet. Es bestehe „dringender Handlungsbedarf“ für den Anschluss der Regionen, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Oliver Liersch.

80 Millionen Euro stellt die Landesregierung daher für den Ausbau des Kabelnetzes im Land zur Verfügung, um zumindest annähernd eine flächendeckende Grundversorgung aller Haushalte und Unternehmen mit mindestens zwei Megabit Datenrate zu ermöglichen. Kein anderes Bundesland stelle soviel Geld für den Breitbandausbau zur Verfügung, sagte Ripke.

Die Fördermittel sollen aber auch gezielt fließen. Der Atlas liefert der Landesregierung nun erstmals die Basis, um förderwürdige Regionen zu ermitteln. Die Mittel aus dem zweiten Konjunkturpaket und aus Töpfen der EU aber würden dafür nicht reichen. Hubert Meyer, geschäftsführender Vorstand des Landkreistages, befürwortete daher die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), 40 Milliarden Euro für den Ausbau der Datenleitungen zur Verfügung zu stellen.

Der gestern vorgestellte Breitbandatlas für Niedersachsen ist das Ergebnis einer Befragung von 2,8 Millionen Unternehmen und Haushalten in Niedersachsen. 270 000 Antworten kamen zurück – die Hälfte übrigens „offline“ per Brief oder Fax, wie Peer Beyersdorf vom Breitbandkompetenzzentrum in Osterholz-Scharmbeck sagte, das den Atlas für die Landesregierung erstellt hat.

Diese Karte sei „bundesweit einmalig“, lobte Ripke. In keinem anderen Bundesland seien die „weißen Flecken“ so detailliert bekannt. „Damit ist erstmals die Breitbandverfügbarkeit für jeden Bürger im Internet einsehbar.“ Für das Land sei der Atlas ein wichtiges Instrument, das „Objektivität“ herstelle. Laut Ripke ist er auch eine Art Notwehrinstrument gegen die Verschlossenheit der Internetanbieter. Nur Sie wüssten, wo im Land genau welche Kabel liegen. „Von den Telekommunikationsanbieter bekommen wir die Daten und Fakten nicht. Ich bedaure, dass wir das selbst in die Hand nehmen mussten.“

Als Ergebnis wurden drei „Cluster“ gebildet, die als besonders förderungsbedürftig ausgemacht wurden – sie decken den Großteil der Landesfläche ab. Im Grunde sind laut Beyersdorf vom Breitbandkompetenzzentrum nur die Ballungsräume und der Speckgürtel südlich von Hamburg an das wirklich schnelle Internet angebunden. „Im Grunde sind nur die Räume gut versorgt, in denen 500 Einwohner pro Quadratkilometer leben“, sagte Beyersdorf. In die drei „Cluster“ Südniedersachsen, Nordwest/Küste und Heide sollen jetzt 30 Millionen Euro fließen. Der Rest des Geldes wird über Wettbewerbe verteilt. Anfang der Woche hat Landwirtschaftsminister Ehlen bereits knapp zehn Millionen Euro an zwölf Kreise und Gemeinden überwiesen.

niedersachsen-breitbandatlas.de

Mehr zum Thema

Ein wichtiger Teil des Konjunkturpaketes, der Ausbau des Breitband-Netzes, hat hinter den Kulissen einen heftigen Streit ausgelöst.

Klaus Wallbaum 23.05.2009

Während die halbe Welt mit Highspeed-Internet durchs weltweite Datennetz surft, liegen so manche Dörfer im Neustädter Land noch im digitalen Dornröschenschlaf.

Internetnutzer in ländlichen Gebieten sollen künftig per Funk schneller ins Netz kommen. Ende 2008 hatten 58 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen schnellen Internet-Zugang.

04.03.2009