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22:51 31.08.2010
Von Lars Ruzic
IG Metall und ver.di fordern, dass der Missbrauch des Instruments – etwa durch „Dauerleihgaben“ – unterbunden wird. Quelle: dpa (Archiv)
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Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hannover sprach von einer skandalösen Entwicklung, die Arbeitgeberseite rechtfertigt den Einsatz von Leiharbeitern als „Ausgleichsinstrument“, in dem die unternehmerische Vorsicht zum Ausdruck komme.

Die Gewerkschaften drängen seit Monaten auf eine Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. So forderten unlängst IG Metall und Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Niedersachsen, der Missbrauch des Instruments – etwa durch „Dauerleihgaben“ – müsse unterbunden werden. Die Leiharbeiter hätten zudem Anspruch auf den gleichen Lohn wie ihre festangestellten Kollegen. Die IG Metall hat entsprechende Vereinbarungen bereits in Einzelfällen auf betrieblicher Ebene durchsetzen können. Bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie peilt die Gewerkschaft erstmals eine branchenweite Vereinbarung an.

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Die Arbeitgeberseite argumentiert, man könne der Nachhaltigkeit des Aufschwungs noch nicht trauen, weshalb Beschäftigte auf Zeit dringend benötigt würden. Nur jedes fünfte Unternehmen in seiner Branche, beschäftige Zeitarbeiter länger als zwölf Monate, rechnete unlängst NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt vor. Zeitarbeiter dienten „nicht als stehendes Heer, um die Kosten zu senken“.

Der Aufschwung zeigt auch in der Arbeitslosenstatistik deutliche Spuren. In Niedersachsen sank die Quote der Menschen ohne Job um 0,2 Punkte auf 7,4 Prozent und damit unter den Bundesschnitt, der bei 7,6 Prozent verharrte. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister sprach vom „niedrigsten Auguststand seit 18 Jahren“. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei zwischen Ems und Elbe stärker gestiegen als in allen anderen westdeutschen Bundesländern. Derzeit sind in Niedersachsen 294.400 Menschen ohne Job – 12.600 weniger als im Vorjahresmonat. Bundesweit wurden 3,188 Millionen Arbeitslose gezählt – ein Minus von 283.000 zum August 2009.

Neben saisonalen Gründen, etwa dem Beginn des Ausbildungsjahrs und dem Ende der Urlaubszeit sei „der Aufwärtstrend der Wirtschaft am Arbeitsmarkt deutlich spürbar“, sagte der Chef der Arbeitsagentur Niedersachsen-Bremen, Klaus Stietenroth. Deutschlandweit rechnen seine Kollegen von der Bundesagentur (BA) sogar damit, zum Herbst unter die Drei-Millionen-Marke zu kommen. BA-Vorstand Heinrich Alt mahnte gleichzeitig zu Vorsicht. Zwar zeigten die Indikatoren in die richtige Richtung, die Krise sei aber noch lange nicht verdaut.

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