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Niedersachsen Niedersachsen erwägt Sperrung von Autobahnen
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21:25 29.12.2010
Zu wenig Streusalz: Land und Kommunen sind in Not. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Weil Streusalz knapp ist, erwägt die Landesregierung bei extremen Wetterverhältnissen die Sperrung von Autobahnen. „Wir können das nicht mehr ausschließen“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. In der Region Hannover ist die Sperrung von Kreisstraßen im Gespräch.

Vielen Städten und Gemeinden geht das Streusalz aus, weil sie sich offenbar nicht an Empfehlungen der Verkehrsministerkonferenz gehalten haben. Eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wies darauf hin, dass die Gemeinden schon im Spätsommer aufgefordert worden seien, nach den Erfahrungen des vergangenen Winters genügend Streusalz vorrätig zu haben – offenbar nicht immer mit Erfolg.

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Das Land Niedersachsen erfülle die Bundesvorgaben, versichert hingegen Verkehrsminister Jörg Bode (FDP). 73.500 Tonnen habe das Land als Startmasse eingelagert, 3500 Tonnen mehr als im Vorjahr. Mehr sei nicht zu schaffen, weil die Lagerkapazitäten nicht ausreichten.

Vertraglich hat sich das Land darüber hinaus einen Nachschub von 1700 Tonnen täglich gesichert. Doch das ist zu wenig, um einen vollständigen Winterdienst aufrechtzuerhalten. „Dieser Winter ist extrem. Wir haben eine drei- bis vierfach höhere Nachfrage als in normalen Jahren“, erklärte Bode. Trotz des bereits eingeschränkten Winterdienstes und der Lieferengpässe bei Salzproduzenten bemühten sich die Behörden aber, genügend Salzreserven für die Fernstraßen bereitzuhalten.

In der Region Hannover gibt es vor allem im Osten Engpässe. Gestern waren noch einmal 50 Tonnen Salz im vorübergehend schon leer geräumten Lager Großburgwedel eingetroffen. Dieses Kontingent würde nach Angaben einer Sprecherin bei Eisregen, wie er zu Silvester erwartet wird, aber nur für zwei Tage reichen. Mehr als 1000 Tonnen geordertes Salz stünden noch aus.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Enno Hagenah, forderte die Landesregierung auf, im kommenden Jahr flexiblere Zulieferbedingungen auszuhandeln. Mit 1700 Tonnen Nachschub täglich könne man einer lang andauernden Kälteperiode nicht trotzen. Bayern und Nordrhein-Westfalen machten vor, dass sie mit deutlich höheren Tageslieferungen besser gerüstet seien.

Margit Kautenburger und Juliane Kaune

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