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21:20 25.05.2011
Hundebesitzer müssen künftig beweisen, dass sie ihren Vierbeiner unter Kontrolle haben. Quelle: dpa
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Neue Hundebesitzer müssen in Niedersachsen künftig einen „Führerschein“ machen. Der Landtag beschloss am Mittwoch das seit langem diskutierte Hundegesetz. Die Regelung sieht vor, dass jedes noch ungeübte Herrchen und Frauchen einen sogenannten Sachkundenachweis erbringen muss. Von Hundehaltern, die bisher kein Tier hatten, werden ab Juli 2013 unter anderem Kenntnisse zum richtigen Umgang mit den Vierbeinern verlangt - vor allem, um lebensgefährlichen Beißattacken auf Kinder vorzubeugen.

Sofort greifen sollen nach dem Willen der Abgeordneten zwei weitere Vorschriften. Halter müssen ihren Hund - egal welcher Rasse - mit einem elektronischen Chip registrieren lassen. Die Daten können dann in einem zentralen Register erfasst werden. Sie müssen außerdem eine Haftpflichtversicherung für Tiere abschließen, die älter als ein halbes Jahr sind. So soll verhindert werden, dass Beiß-Opfer auf ihren Kosten sitzen bleiben. Auch für den Chip und „Führerschein“ fallen Gebühren an. Diese Neuregelungen treten Anfang Juli in Kraft.

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Für diejenigen, die während der vergangenen zehn Jahre schon länger einen Hund gehalten haben, trifft die „Führerschein“-Pflicht nicht zu. Auch Tierärzte, Betreuer von Diensthunden oder Eigentümer von Blindenführhunden müssen sich keiner gesonderten Prüfung stellen.

Agrarminister Gert Lindemann (CDU) sprach von einem wegweisenden Gesetz: „Es wird zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Hunden führen“ - mit Vorbildfunktion über Niedersachsen hinaus. Schwere Zwischenfälle hätten ein Umdenken nötig gemacht, sagte Lindemann zur Begründung des Gesetzes. „Der Hund ist ein treuer Begleiter des Menschen. Von ihm können aber auch Gefahren ausgehen.“

Während sowohl die Abgeordneten der schwarz-gelben Koalition als auch der SPD und Grünen mehrheitlich zustimmten, kam aus der Linksfraktion deutliche Kritik an dem Gesetz. Die Parlamentarierin Marianne König bezeichnete den verpflichtenden Sachkundenachweis als „bürokratisches Monster“. Das Gesetz könne nach wie vor nicht verhindern, dass Hunde gezielt abgerichtet werden. Außerdem sei es wenig effektiv, einzelne Halter zu „Sachkundigen“ zu machen. „Die meisten Hunde sind Familienhunde. Die Person der Registrierung muss aber nicht diejenige sein, die den Hund ausführt“, sagte König.

Der CDU-Abgeordnete Frank Oesterhelweg verteidigte die Novelle: „Absolute Sicherheit gibt es nicht, die wird es auch in Zukunft nicht geben“, sagte er zur notwendigen Erziehung der Tiere. Der Grüne Christian Meyer betonte ebenfalls: „Für uns liegt die Verantwortung für Beißattacken am oberen Ende der Leine.“ Der FDP-Politiker Jan-Christoph Oetjen lobte das „modernste Hundegesetz Deutschlands“.

Zustimmung kam auch vom Niedersächsischen Landkreistag. Jedoch könne kein Gesetz tragische Vorfälle in jedem Fall verhindern, betonte Geschäftsführer Hubert Meyer. Nach Angaben des Agrarministeriums gibt es in Niedersachsen rund 400.000 Hunde.

dpa

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