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21:59 28.05.2013
Von Klaus Wallbaum
Die EU prangert Ungereimtheiten bei der Auftragsvergabe für den Bau des Zentralgebäudes der ­Leuphana-Universität in Lüneburg an. Quelle: dpa
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Hannover/Lüneburg

 In der Landesregierung herrscht wegen dieses Themas bereits helle Aufregung: Befürchtet wird, dass die EU als Konsequenz ihre Zuschüsse zurückfordern kann – es geht um mindestens neun Millionen Euro.

Seit Oktober 2010 hatte „Olaf“ den Fall untersucht, ein Team von EU-Ermittlern hatte Ende 2011 auch vor Ort in Lüneburg Unterlagen eingesehen. Wie es aus Kreisen der Landesregierung heißt, ist die Prüfung jetzt abgeschlossen, ein Bericht der Brüsseler Behörde sei auf dem Weg zu den deutschen Dienststellen. Man rechnet damit, dass die EU-Behörde teilweise drastische Verstöße gegen Vergabevorschriften feststellt.

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Weil die Ankunft der brisanten Post aus Brüssel mit der Plenarsitzung des Landtags zusammenfällt, hat die SPD-Fraktion den Fall Leuphana bereits als „dringliche Anfrage“ auf die Tagesordnung gesetzt. Darin beklagt sich die SPD über die fehlende Auskunftsbereitschaft der Universität und mahnt eine „wirksame Korruptionsprävention“ an. Dieses merkwürdige Vorgehen der SPD soll angeblich sogar das zuständige und von Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) geführte Wissenschaftsministerium überrascht haben.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, nimmt „Olaf“ Anstoß an folgenden Vorgängen: Bevor der New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind mit der Planung des 58 Millionen Euro teuren Zentralgebäudes beauftragt wurde, hatte es keine Ausschreibung gegeben. Vielmehr hatte Libeskind ab 2007 eine ­nebenberufliche Professur in Lüneburg, in dieser Tätigkeit wurde er planerisch aktiv. Tatsächlich seien aber noch andere Personen an der Planung beteiligt gewesen. Fehlerhaft sei zudem die Beauf­tragung eines Architektenbüros Anfang 2008, die später zurückgezogen wurde. Libeskind habe später noch einen ­Sonderauftrag für die „baukünstlerische Begleitung“ erhalten, obwohl diese ­Aufgabe seine Funktion als Professor der Uni überschritten habe. Dafür soll ­Libeskind 500 000 Euro erhalten haben.

Wenn die EU Geld zurückfordern sollte, gerät das gesamte Projekt ins Wanken. Der geplante Fertigstellungstermin im Herbst 2014 wird wohl sowieso nicht zu halten sein, in Hannover geht man aber von einer möglichen Fristverlängerung bis 2015 aus, ohne dass die EU aus Termingründen ihre Zuschüsse zurückverlangen wird. Fehlt Geld in der Planung, müsste die Leuphana als Stiftungsuniversität selbst die Lücke stopfen.

Klaus Wallbaum 25.05.2013
Michael B. Berger 25.05.2013
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