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Niedersachsen Land lenkt im Streit um das AKW Grohnde ein
Nachrichten Politik Niedersachsen Land lenkt im Streit um das AKW Grohnde ein
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00:20 25.06.2014
Foto: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel hat das Wiederanfahren des AKW Grohnde genehmigt.
Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel hat das Wiederanfahren des AKW Grohnde genehmigt. Quelle: dpa
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Hannover

Er lenkte ein, nachdem der Energieversorger e.on am Freitagabend einen Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg gestellt hatte, um die Inbetriebnahme des Kraftwerks zu erzwingen. Zudem hatte der Betriebsleiter in Grohnde in einer eidesstattlichen Erklärung Vorwürfe zurückgewiesen, es seien unzulässige Reparaturen in seinem Werk vorgenommen worden. Auch die hannoversche Staatsanwaltschaft sieht nach kurzer Vorermittlung keinerlei Anzeichen für eine unzulässige Reparaturaktion.

Der 1985 in Betrieb genommene Meiler war im April wegen regulärer Revisionsarbeiten, bei denen die Kernbrenn­stäbe ausgetauscht werden, abgeschaltet worden. Bei den Arbeiten waren einige defekte Drosselkörper im Reaktorinneren gefunden worden, die den Umweltminister auf den Plan gerufen hatten.

Wenzel rechtfertigte sein Verhalten, das von der Landtagsopposition scharf gerügt wird. Vor allem die Tatsache, dass er wegen des Briefes eines Kernkraftgegners die für den 20. Juni geplante Wiederinbetriebnahme des Reaktors verzögerte, brachte dem Grünen-Politiker heftige Kritik ein. Der Kernkraftgegner hatte von heimlichen Reparaturen berichtet. Wenzel erklärte: „Die meinem Ministerium und mir unterstellten Vorwürfe der politischen Willkür und des Rechtsbruchs weise ich auf das Entschiedenste zurück.“ Alle veranlassten Maßnahmen seien nach Recht und Gesetz geschehen, der Schutz der Bevölkerung stehe an erster Stelle. „Wir treten jetzt in eine schwierige Phase ein, weil die Atomkraftwerke an das Ende ihrer Laufzeit kommen, aber bis zum allerletzten Tag die maximale Sicherheit gewährleistet werden muss.“

Demgegenüber sagte Wenzels Vorgänger im Umweltministeramt, FDP-Landeschef Stefan Birkner, es sei ein einmaliger Vorgang, dass sich der zuständige Minister hinter der Staatsanwaltschaft verstecke. Wenzel habe das Vertrauen in die Atomaufsicht des Landes erschüttert. CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler warf Wenzel „ideologisches Agieren nach Gutsherrenart“ vor. Es sei eine Farce, dass sich alle Vorwürfe „bereits nach 24 Stunden in Luft aufgelöst“ hätten. Wenzel habe mit seiner Aktion nur unzufriedene Atomkraftgegner besänftigen wollen. Kritiker der Atomkraft hatten ein komplettes Abschalten des Reaktors gefordert. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Anja Piel, stellte sich hinter die Entscheidung des Ministers, die Genehmigung für ein Wiederhochfahren des Reaktors zu erteilen. Alle Verdachtsmomente für Unregelmäßigkeiten im AKW Grohnde seien ausgeräumt worden, sie habe daher Verständnis für Wenzels Entscheidung, sagte sie der HAZ.

Das Unternehmen e.on teilte mit, dass es insgesamt etwa 63 Millionen Euro in die Überprüfung und Instandhaltung des Kraftwerkes investiert habe. e.on betonte, es handele sich keinesfalls um einen Pannenreaktor. Derartige Verunglimpfungen entbehrten jeglicher Grundlage.

Michael B. Berger und Kristian Teetz

Restlaufzeit bis zum Jahr 2021

Das Atomkraftwerk Grohnde ist 56 Kilometer von Hannovers Zentrum entfernt. Es steht in der Gemeinde Emmerthal, die zum Landkreis Hameln-Pyrmont gehört, und befindet sich seit 1985 am Netz. Es hat noch eine Restlaufzeit bis zum Jahr 2021. Betreiber ist die Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH, deren Gesellschafter zu 83,3 Prozent e.on Kernkraft und zu 16,7 Prozent die Stadtwerke Bielefeld sind. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin arbeiten im Kernkraftwerk Grohnde „mehr als 300 Menschen“. Im Schnitt erzeugt das Kraftwerk pro Jahr rund elf Milliarden Kilowattstunden Strom. Damit deckt es rund 15 Prozent der Stromerzeugung in Niedersachsen ab. Gegen den Bau des Atomkraftwerks hatte es in den siebziger Jahren erhebliche Proteste gegeben. Es kam zu Besetzungen des Geländes und zu zum Teil äußerst gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Eine Großdemonstration am

19. März 1977 wurde hinterher als „Schlacht von Grohnde“ apostrophiert.

tz

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