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13:48 17.05.2011
Eine Praxisphase im Studium soll Nachwuchslehrer besser auf ihren Beruf vorbereiten. Quelle: dpa
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Mehr Praxis und ein Jahr länger: Die Ausbildung von Grund-, Hauptschul- und Realschullehrern in Niedersachsen wird vom Wintersemester 2013 an praxisorientierter. Dazu soll das bislang zwölfmonatige Masterstudium auf zwei Jahre ausgedehnt werden. In die Masterphase wird zudem eine fünfmonatige Praxisphase integriert, in der die Studierenden überwiegend an Schulen eingesetzt werden. Mehr Praxiskenntnisse soll den Nachwuchslehrern auch durch gezielte Schulungen von Wissenschaftlern, Ausbildern aus den Studienseminaren und speziell qualifizierten Lehrkräften vermittelt werden.

„Das ist ein großer Schritt voran“, sagten Kultusminister Bernd Althusmann und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (beide CDU) am Dienstag in Hannover. Die schwarz-gelbe Landesregierung setze damit einen Beschluss des Landtags um und erfülle gleichzeitig eine Vorgabe der Kultusministerkonferenz. „Wir entwickeln die Lehrerausbildung in Niedersachsen zukunftsgerecht weiter.“

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Im Gegenzug verkürzt sich den Reformplänen zufolge für die Studierenden die Zeit des Referendariats um ein halbes Jahr auf dann zwölf Monate. „Theoretische Kenntnisse können von den Studierenden intensiver als bisher in der Masterphase mit wissenschaftlicher Betreuung an der Schule erprobt und getestet werden“, sagte Wanka. Zudem könnten die Studierenden kontinuierlich im Studienverlauf ihre Eignung und Neigung für Beruf überprüfen. Im Gegensatz zum bisherigen Studienverlauf können die Nachwuchslehrer ihre eigenen Erfahrungen aus den Klassenzimmern anschließend in der Hochschule wissenschaftlich vertiefen. Das Prinzip des forschenden Lernens soll so vermehrt mit Inhalten der schulischen Praxis bereichert werden.

„Ich bin sicher, dass die Erfahrungen aus dem Praxissemester die schul- und bildungswissenschaftliche Forschung bereichern und die Qualität der Lehrerausbildung verbessern wird“, sagte Wanka. Der Lehrernachwuchs werde künftig früher und wissenschaftlich begleitet an die Lehrtätigkeit in der Schule herangeführt. Die ersten nach diesem Modell ausgebildeten Lehrer werden im Sommer 2016 in den niedersächsischen Schuldienst eintreten.

Durch die stärkere Verknüpfung von Theorie und Praxis würden Studium und Referendariat besser miteinander verzahnt, lobte Althusmann die Reformpläne. „Die angehenden Lehrer erhalten bereits während des Studiums einen intensiven Einblick in die Praxis.“ Das Modell berücksichtige die vorhandenen Forderungen von Fachleuten ebenso wie von Eltern.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) reagierte dagegen enttäuscht auf die Reformpläne. Die Pläne seien „enttäuschend und altbacken“, sagte GEW-Landeschef Eberhard Brandt. Trotz der Anpassung der Anzahl der Studiensemester der Lehrämter für Grund-, Haupt- und Realschulen an die des Gymnasiallehramts sei die Gleichwertigkeit der Lehrämter immer noch nicht erreicht. Mit der unterschiedlichen Länge des Referendariats werde die schlechtere Besoldung von Nicht-Gymnasiallehrer legitimiert, betonte Brandt.

dpa