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21:46 07.06.2012
Von Klaus Wallbaum
Foto: Die CDU in Niedersachsen regt die Einrichtung von mehr Betriebskindergärten an.
Die CDU in Niedersachsen regt die Einrichtung von mehr Betriebskindergärten an. Quelle: dpa
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Hannover

In Niedersachsen soll es nicht passieren, dass eilig geschulte Arbeitslose aus fremden Berufen als Erzieher in Kindergärten und Krippen arbeiten. „Ich bin skeptisch gegenüber der Erwartung, mit einer lediglich knappen Schmalspur-Zusatzausbildung genügend Kenntnisse für die Kinderbetreuung vermitteln zu können“, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) dieser Zeitung. Er rückte damit von einer Idee ab, die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor wenigen Tagen geäußert hatte.

Bund, Länder und Kommunen sind mit dem kräftigen Ausbau des Angebotes an Krippenplätzen für die bis zu Dreijährigen beschäftigt, denn vom 1. August 2013 an haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung der Jüngsten. Nicht nur mehr Plätze sind nötig, sondern auch mehr Betreuer. Von der Leyen hatte die Bundesagentur für Arbeit mit der Prüfung beauftragt, wie viele Arbeitslose zu Erziehern umgeschult werden können. Gestern ergänzte sie das mit dem Vorschlag, frühere Beschäftigte der Drogerie Schlecker könnten diesen Weg in strukturschwachen Regionen wählen.

Althusmann meinte dazu, er bewerte den Vorschlag „zurückhaltend“. Zum einen sei der Mehrbedarf an Erziehern vielleicht gar nicht so groß. Bundesweit 25.000 werden geschätzt, dem stünden aber derzeit 11.000 arbeitslose Fachkräfte aus diesem Bereich gegenüber. Außerdem gebe es eine erhebliche Zahl unvermittelter Sozialassistenten. Der Kultusminister sieht zudem auf eine wachsende Zahl von Abgängern der Fachhochschulen, die Erzieher werden wollen. 12.000 Schüler landesweit gebe es derzeit, das sind 2500 mehr als vor sieben Jahren.

Zum anderen bevorzugt der Kultusminister den Weg, Menschen aus anderen Berufen für die Arbeit als Erzieher umzuschulen. Dazu gebe es bereits Anreize, und diese könnten verstärkt werden. „Das ist besser, als sich vor allem auf Hartz-IV-Empfänger zu stützen. Wir müssen bei allen Schritten auch das Ziel im Auge behalten, die Qualität der frühkindlichen Bildung zu verbessern“, hob der Kultusminister hervor.

Unterdessen regt der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen, Björn Thümler, ein stärkeres Engagement der Betriebe beim Ausbau der Kinderbetreuung an. Mehrere mittelständische Firmen eines Ortes könnten sich zusammentun und Zuschüsse für einen Kindergarten oder eine Tagesmutter geben, damit die in den Betrieben tätigen Eltern finanziell entlastet werden. Ein auf die Dienstzeiten bestimmter Unternehmen abgestimmtes Tagesmuttermodell habe den Vorteil flexibler Öffnungszeiten. Thümler regte zudem an, bürokratische Hürden vor der finanziellen Förderung von Tagesmüttern zu senken.

Saskia Döhner 07.06.2012
Michael B. Berger 06.06.2012
06.06.2012