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Niedersachsen NiedersachsenMetall fördert Hauptschüler-Lehrstelle mit 5000 Euro
Nachrichten Politik Niedersachsen NiedersachsenMetall fördert Hauptschüler-Lehrstelle mit 5000 Euro
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10:23 10.12.2010
Von Jens Heitmann
Schüler im Werkraum der Hauptschule Badenstedt lernen im April, was es heißt, eine Mechatroniker-Ausbildung zu machen. Mit Hilfe der Continental AG und der Stiftung Niedersachsen-Metall hatte die Fachlehrerin das „Radiergummi-Projekt“ im neunten Jahrgang gestartet. Quelle: Michael Heck (Archiv)
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5000 Euro bekommen Betriebe, die eine Lehrstelle im kommenden Jahr mit einem Hauptschüler besetzen, als Förderung vom Verband der niedersächsischen Metallindustrie. „Wir wollen verhindern, dass diese Gruppe durch den Rost fällt“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt am Donnerstag in Hannover.

Durch den doppelten Abiturjahrgang wird sich im Frühsommer 2011 die Zahl der Absolventen um ein Viertel auf etwa 100.000 Schüler erhöhen. Da längst nicht alle Abiturienten unmittelbar ein Studium aufnehmen, werde es bei Lehrstellen eng werden, sagte Schmidt. Es bestehe die Gefahr, dass die geringeren Chancen von Hauptschülern noch vermindert würden. Der Wegfall der Wehrpflicht verschlimmere die Lage zusätzlich.

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NiedersachsenMetall handelt nicht uneigennützig – der Verband bereitet sich auf den zu erwartenden Mangel an Facharbeitern vor. Dadurch ändert sich auch der Blick auf die Hauptschüler, die in vielen Betrieben bisher nur wenig Beachtung finden: In der Metallindustrie wird aktuell nur jeder zwanzigste Ausbildungsplatz an einen Hauptschüler vergeben. Mit den 5000 Euro wolle NiedersachenMetall den Firmen „den höheren Einarbeitungsaufwand honorieren“, erklärte Schmidt. Dem Vernehmen nach steht für das Programm zunächst eine halbe Million Euro bereit.

Darüber hinaus will NiedersachsenMetall Hauptschülern bei der Bewerbung helfen. Derzeit werde mehr als jede dritte wegen grober Mängel aussortiert, sagte Schmidt. Der Verband bietet deshalb in Schulen „Bewerbungs-Coaching“ an: „Wir wollen Schätze heben an jungen Menschen.“

Um auch die Weiterbildung von jungen Ausgebildeten zu fördern haben die IG Metall und NiedersachsenMetall zudem einen Stipendientarifvertrag geschlossen – auch dieser ist bundesweit einmalig. Wer nach der Lehrzeit ein Jahr Berufspraxis gesammelt hat, soll von seinem Betrieb 400 Euro monatlich erhalten, wenn er beispielsweise für zwei Jahre eine Technikerschule besucht. Der Staat unterstützt die Weiterqualifizierung mit 1100 Euro im Monat.

Nach Einschätzung der Tarifpartner reicht das sogenannte „Meister-Bafög“ als alleiniger Anreiz nicht aus. Im Anschluss an die Erstausbildung liege das Einstiegsgehalt im Schnitt bei 2500 Euro, rechnete IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine vor. Gerade wer schon eine Familie zu versorgen habe, scheue deshalb häufig vor einer Weiterbildung zurück. Einen Anspruch auf ein arbeitgeberfinanziertes Stipendium gibt es allerdings nicht. Wer eine Weiterbildung abschließt und innerhalb von fünf Jahren kündigt, soll das Stipendium zurückzahlen.