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Niedersachsen Agrarminister gönnt Jägern eine Schonzeit
Nachrichten Politik Niedersachsen Agrarminister gönnt Jägern eine Schonzeit
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08:14 08.06.2015
Von Michael B. Berger
Das Jagdgesetz in Niedersachsen soll erneuert werden. Bis zum Ende der Legislaturperiode soll aber wegen Konflikten erst einmal nichts geschehen. 
Das Jagdgesetz in Niedersachsen soll erneuert werden. Bis zum Ende der Legislaturperiode soll aber wegen Konflikten erst einmal nichts geschehen.  Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Nach diversen Konflikten mit Niedersachsens Jägern plädiert Landwirtschaftsminister Christian Meyer für eine Schonzeit bis zum Ende der Legislatur. „Wir werden in dieser Wahlperiode keine grundlegende Novellierung des Jagdgesetzes vornehmen, das alte Jagdgesetz hat sich bewährt“, sagte der Grünen-Politiker der HAZ. Ihm sei sehr daran gelegen, den Konflikt mit den Jägern zu entschärfen, betonte der Minister. „Deshalb kommt von mir jetzt das klare Signal: Keine grundlegenden Änderungen mehr bis zum Ende der Legislaturperiode.“

Dem Beispiel anderer Bundesländer, die das Jagdrecht gründlich durchforsteten, will Meyer nicht folgen, zumal die Punkte, die im rot-grünen Koalitionsabkommen beschlossen worden waren, abgearbeitet seien. Umstritten ist vor allem die neue Jagdzeitenverordnung, auf die die Landesjägerschaft mit einer Normenkontrollklage reagiert hat. „Eine solche Klage gibt es ja auch in Schleswig-Holstein. Dem sehe ich sehr gelassen entgegen“, sagte Meyer.

Gänsejagd im Fokus

Die Jagdzeitenverordnung enthält unter anderem Einschränkungen der Gänsejagd in Vogelschutzgebieten. Die Neuregelung war von den Naturschutzverbänden als nicht umfassend genug kritisiert worden, wohingegen Jägern und Bauern die Änderungen zu weit gingen. Dabei war sie als Kompromiss gedacht. Meyers Modell der Intervalljagd zum besseren Gänsemanagement ist derzeit noch in der Anhörung mit den Verbänden. „Weitere größere Änderungen sind nicht geplant“, betonte Meyer. Man werde bei den bereits beschlossenen Neuerungen abwarten, wie sie sich entwickelten. „Eine derartige Evaluierung, etwa beim Gänsemonitoring, braucht ihre Zeit.“

Befürchtungen in der Jägerschaft, es seien weitere grundlegende Änderungen im Jagdrecht angestrebt, widerspricht der Minister nachdrücklich. „Es gibt lediglich einige Verbesserungen zu Sicherheit und Arbeitsschutz bei der Jagd und Anpassungen an das Bundes- und EU-Recht“, sagte Meyer. So habe Niedersachsen als einziges Bundesland bei den Waffen ein sogenanntes Schalldämpferverbot. Aber allein aus Gründen des Arbeitsschutzes für Berufsjäger und Forstmitarbeiter sowie zur Reduzierung von Lärmemissionen müsse man dieses Verbot aufheben. „Das ist auch ganz im Sinne der Jägerinnen und Jäger und sorgt für mehr Ruhe im Wald“, ist Meyer überzeugt. Der Minister will sich zudem einsetzen für mehr Schießübungen von Jagdscheininhabern und eine Einführung der bleifreien Munition nicht nur in Landesforsten, sondern auch in anderen Wäldern. Aber dies solle im Dialog mit den Jägern geschehen. „Das sind eher technische Dinge. Wir wollen jetzt keine ideologischen Debatten um Jagd und Naturschutz führen“, betonte Meyer.

Technische Änderungen könnten bevorstehen

Auch die Verwendung von ausschließlich bleifreier Munition rechnet Meyer zu den technischen Änderungen. „Da wollen wir mit den Jägern diskutieren, ob man in den nächsten Jahren aus Gründen des Umwelt-, Verbraucher- und Naturschutzes auch in den übrigen Wäldern Niedersachsens bleifreie Munition verwendet.“ Er wolle jedenfalls den Jägern für eine solche Umstellung Zeit lassen. „Auf mancher Kreisjägerschaftssitzung wird behauptet, ich plante radikale Änderungen. Das ist aber ausdrücklich nicht der Fall“, sagte Meyer. So trete er auch innerhalb der Grünen radikalen Forderungen nach Abschaffung der Jagd entgegen: „Ich bin kein Jägerschreck, außerdem als Landwirtschaftsminister auch voll davon überzeugt, dass die Jagd eine sinnvolle Sache sein kann und notwendig ist. Und Wildfleisch ist nun wirklich ein ökologisch wertvolles Produkt aus artgerechter Haltung.“

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