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Niedersachsen Immer mehr Gewalt gegen Niedersachsens Tierärzte
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11:05 05.02.2017
In Osterbruch in Niedersachsen ist ein Mitarbeiter des Veterinäramtes angeschossen und schwer verletzt worden.
In Osterbruch in Niedersachsen ist ein Mitarbeiter des Veterinäramtes angeschossen und schwer verletzt worden.  Quelle: dpa
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Hannover

Die Aggressivität gegenüber Mitarbeitern staatlicher Behörden nimmt zu - dies gilt auch für die Kontrollen von Landwirten. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer sagte dazu: "Es ist völlig inakzeptabel, Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Stellen, die ihrer Aufgabe nachkommen, einzuschüchtern, sie zu bedrohen oder Gewalt gegen sie auszuüben." Am Mittwoch hatte ein Bauer in Osterbruch (Landkreis Cuxhaven) auf einen Amtstierarzt geschossen, der ihm in Polizeibegleitung die Tiere wegen unsachgemäßer Haltung entziehen wollte. Der 65 Jahre alte Veterinär erlitt schwere Verletzungen. Sein Zustand ist laut Polizei stabil, aber noch kritisch. Der 55-jährige Landwirt sitzt in Untersuchungshaft.

In Osterbruch in Niedersachsen ist ein Mitarbeiter des Veterinäramtes angeschossen und schwer verletzt worden. Schütze soll ein 55-jähriger Bauer sein, der nicht wollte, dass seine Tiere abgeholt werden.

Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministeriums verzeichnen mehrere Bundesländern verstärkt Drohungen und Aggressionen gegenüber Mitarbeitern staatlicher Behörden. Minister Meyer unterstütze in diesem Punkt die Forderungen des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), hieß es. Dessen Präsident Klaus Wiswe beobachtet ein zunehmend aggressives Klima gegenüber Behördenmitarbeitern. "Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger, stärker zu trennen zwischen den behördlichen Entscheidungen und den konkreten Personen, die sie umzusetzen haben", sagte Wiswe. "Wir brauchen mehr gesellschaftlichen Respekt und Akzeptanz für diejenigen, die entsprechend unseren rechtsstaatlichen Grundsätzen Entscheidungen vor Ort vollziehen."

"Nächtlicher Telefonterror, gelöste Radmuttern"

Norbert Heising, Geschäftsführer des Veterinäramtes Jade-Weser, kennt die aggressive Stimmung. "Es kommt auch bei uns immer wieder zu Zwischenfällen mit Landwirten bei Tierverbot: Nächtlicher Telefonterror, gelöste Radmuttern; auch mit dem Hammer wurde schon geworfen. Geschossen wurde hier aber noch nicht", sagte der Chef der Behörde, die für mehrere Landkreise an der Küste zuständig ist. In den meisten Fällen seien die Täter Junggesellen, die sich stark abgeschottet hätten, sagte Heising. Mit dem Tierverbot werde ihnen dann auch noch die Lebensgrundlage entzogen. Er sieht auch den Bauernverband in der Verantwortung: "Wir bitten dann das Landvolk um Unterstützung, damit diese Menschen aufgefangen werden können." Das Veterinäramt müsse aber nur in seltenen Fällen einschreiten. "Die meisten Landwirte halten die Auflösungsfrist bei Tierverbot ein. Da müssen wir die Tiere nicht selbst fortnehmen." Im Bereich Jade-Weser wurden im vergangenen Jahr nur neun Mal vernachlässigte Tiere entzogen - in keinem Fall waren Landwirte betroffen. 

dpa

05.02.2017
Heiko Randermann 07.02.2017