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Niedersachsen Arbeiten Grundschullehrer zu wenig?
Nachrichten Politik Niedersachsen Arbeiten Grundschullehrer zu wenig?
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00:16 16.12.2018
Sieht keinen Spielraum eine Reduzierung von Unterrichtsstunden bei Lehrern: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Quelle: dpa
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Hannover

In der Auseinandersetzung um die angemessene Arbeitszeit verhärten sich zwischen den Lehrerverbänden und Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Fronten. Tonne erklärte am Donnerstag im Landtag, er wolle das Stundensoll für Grundschullehrer in Niedersachsen nicht herabsetzen. Tonne begründete seine Ablehnung mit einer im Oktober vorgestellten Arbeitszeitanalyse. Nach ihr, so der Minister, würden normale Grundschullehrer ihre Unterrichtszeit statistisch sogar leicht unterschreiten. Dies rief bei den Lehrerverbänden Empörung hervor. Franz-Josef Meyer vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) sprach gegenüber der HAZ von „fake news des Ministers“.

Derzeit beträgt die wöchentliche Unterrichtszeit von Grundschullehrern 28 Stunden die Woche, Haupt- und Realschullehrer müssen 26,5 beziehungsweise 27,5 Stunden unterrichten, Gymnasiallehrer 23,5 Stunden. Eine Expertenkommission zur Lehrerarbeitszeit hatte im Oktober vorgeschlagen, das Unterrichtsdeputat für Grundschullehrer von 28 Stunden um eine Stunde zu senken, dies würde zu einer spürbaren Entlastung führen.

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Nicht alle erreichen ihr Stundensoll

Doch Tonne machte im Landtag eine andere Rechnung auf. Zwar habe die jüngste Expertenanalyse zur Arbeitszeit ergeben, dass Grundschullehrer ihr Soll im Durchschnitt um neun Minuten überschritten. Wenn man aber die wesentlich stärker belasteten Schulleiter herausnehme, komme man sogar zu einer Unterschreitung der wöchentlich vorgeschriebenen Arbeitszeit von 26 Minuten wöchentlich, meinte der Minister. „Inwieweit dieses Ergebnis eine Absenkung des Deputates von einer Unterrichtsstunde rechtfertigen soll, erschließt sich nicht.“ Das Argument, dass von einer Stundenreduzierung gerade die besonders belasteten Teilzeitbeschäftigte profitieren würden, überzeugt den Kultusminister nicht, da die Teilzeitkräfte ihr Lehrdeputat selbst festlegen würden. Anstatt die Arbeitszeit herunterzusetzen, will Tonne die Grundschullehrer von Verwaltungsaufgaben entlasten sowie zeitraubende Dokumentationspflichten abschaffen.

GEW fordert höhere Bezahlung

Laura Pooth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW), die neben dem VBE die meisten Grundschullehrer vertritt sprach von „irritierenden Äußerungen des Ministers“. Wenn er schon bei den Unterrichtszeiten stur bleibe, müsse sich Tonne bei der Bezahlung bewegen. Die Gewerkschaften fordern hier A 13 statt der bisher gezahlten Gehaltsstufe A 12. Eine Höherstufung sei schon wegen der Tatsache geboten, dass Grundschullehrer heute mit Master-Abschlüssen von der Uni gingen. Franz-Josef Meyer vom VBE meinte, der Minister missbrauche die Ergebnisse der Arbeitszeitstudie. Den geplanten Runden Tisch könne er sich sparen.

Auch im Landtag überzeugte Tonne die Fragesteller aus den Reihen der Grünen und der FDP mit seinen Antworten nicht. Die Grüne Julia Willie Hamburg wollte wissen, wie sich die vom Minister angekündigte Entlastung konkret in Stunden auswirken würde. Doch hierauf gab Tonne keine Antwort. Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling fragte nach konkreten Erlassen oder Weisungen des Kultusministeriums zur Entlastung von Grundschullehrern. Hier gebe es noch keine, sagte Tonne. Der Minister berichtete weiter, dass einzelne Lehrkräfte gegen ihr Stundendeputat geklagt hätten. Er rechne jedoch nicht mit einer Normenkontrollklage, die die gesamte Arbeitszeitregelung infrage stellen könnte.

Von Michael B. Berger