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Niedersachsen Niedersachsens Polizei wappnet sich gegen Nachahmungstäter
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsens Polizei wappnet sich gegen Nachahmungstäter
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08:39 13.03.2009
Ein Polizeibeamter markiert an dem Autohaus, in dem der Amokläufer Tim K. zwei Menschen erschossen hat, Einschusslöcher in der Scheibe. Quelle: Lennart Preiss/ddp
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„Unsere Polizisten sind so trainiert, dass sie jederzeit eingreifen können“, sagte Schünemann dieser Zeitung.

Mit einer neuen Taktik habe die Polizei die Lehren aus dem Massaker von Erfurt vor sieben Jahren gezogen. Bis dahin galt der Grundsatz, zunächst auf das Eintreffen von Spezialeinheiten zu warten. Heute müssen Streifenpolizisten, die zuerst am Tatort sind, einen Amokläufer selbst stellen – so wie die Polizisten am Mittwoch im baden-württembergischen Winnenden, die den 17-jährigen Täter aus der Schule vertrieben und so wahrscheinlich Schlimmeres verhinderten. In Niedersachsen werden die Einsatz- und Streifenbeamten in Fortbildungen auf die Extremsituation vorbereitet. Allein in Hannover haben bereits 866 von 984 Polizisten das Amoktraining absolviert.

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Innenminister Schünemann warnt unterdessen vor Nachahmungstätern. Sein Ministerium verschickte an alle Schulen eine Handreichung, die helfen soll, Amokläufer zu erkennen und bietet Hilfe bei der Einschätzung des Risikos nach einem Drohanruf. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann wies darauf hin, dass es Handlungsanweisungen für die Zusammenarbeit von Schulen und Sicherheitsbehörden gibt. „Schulen sind Orte des Lernens und des Zusammenlebens und dürfen nicht in Hochsicherheitstrakte verwandelt werden“, sagt die CDU-Politikerin zu Forderungen, Sicherheitskontrollen vor Schulen einzuführen. Auch Lehrerverbände lehnten es ab, Schulen mit Kameras oder Metalldetektoren zu schützen.

Der Amokläufer von Winnenden hat die Tat möglicherweise unter dem Einfluss seiner psychischen Erkrankung begangen. Am Donnerstag gaben die Ermittler bekannt, dass der 17-jährige Tim K. wegen Depressionen fünf stationäre Behandlungen in einer psychiatrischen Klinik hatte, eine empfohlene ambulante Therapie allerdings verweigerte hatte. Damit hat das Bild des Täters, der bisher als völlig unauffällig galt, genauere Konturen bekommen. Über sein Vorhaben hat der verschlossene Jugendliche mit niemandem direkt gesprochen.

Für Verwirrung sorgte am Donnerstag die Mitteilung der Ermittler, dass Tim K. im Internet die Tat angekündigt habe. Am Abend räumte ein Sprecher der Polizei Waiblingen ein, dass diese Angaben sich als falsch erwiesen hätten. Derzeit gebe es keine Hinweise, dass Tim K. die Nachricht tatsächlich auf seinem Computer geschrieben habe. Wie es zu der Falschmeldung kam, sei noch unklar.

von Karl Doeleke, Sonja Fröhlich und Saskia Döhner