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Niedersachsen Niedersachsens Schüler erhalten kostenlos einen Apfel
Nachrichten Politik Niedersachsen Niedersachsens Schüler erhalten kostenlos einen Apfel
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22:00 09.03.2009
Von Heinrich Thies
Gesund und knackig: Apfel Quelle: Frank Wilde
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Das ist nicht nur frommer Wunsch ehrgeiziger Gesundheitsapostel, sondern erklärtes Ziel der niedersächsischen Landesregierung. Mithilfe der EU will das Landwirtschaftsministerium in Hannover dafür sorgen, dass der tägliche Schulapfel allen bedürftigen Landeskindern bald kostenlos verabreicht wird. Aus Brüssel sollen dafür vom kommenden Jahr an 1,2 Millionen Euro bereitstehen, und das Land will noch einmal den gleichen Betrag obendrauf legen.

Hinter der Aktion stehen – aus nicht ganz uneigennützigen Motiven – die Obstbauern aus dem Alten Land, die bereits 2006 die Initiative „Altländer Schulapfel“ ins Leben riefen und Schulklassen in Hamburg, Hannover, Bremervörde und Stade seither Tag für Tag kistenweise mit Äpfeln versorgen. Dieses „Apfel-Abo“ lassen sich die Obstbauern im Schnitt pro Schüler und Woche mit einem Euro vergüten. Vom Beginn des kommenden Jahres an soll dann an 30 bis 40 ausgewählten Schulen in sozial schwachen Regionen Geld aus öffentlichen Töpfen die Apfelkosten decken. Und wenn sich das Projekt bewährt und Niedersachsens Schüler auf den Geschmack gekommen sind, soll die Apfeloffensive das ganze Land überziehen.

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Der Beifall der Experten fällt indessen noch etwas zurückhaltend aus. „Das ist ein gutes Signal, wird aber wohl an den Ernährungsgewohnheiten nichts Wesentliches ändern“, sagt Andreas Hahn, Professor an der Ernährungswissenschaftlichen Abteilung der Universität Hannover. „Das Problem ist, dass in den Familien immer weniger gemeinsam gegessen wird.“ Die Schule sei da immerhin ein Ort, wo gesunde Ernährung eingeübt werden könne.

Die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ina Korter, dagegen findet das Projekt ziemlich lächerlich. „Von einem Apfel wird man nicht satt“, sagt die Grünen-Abgeordnete. „Wichtiger wäre es, dass sozial schwache Schüler an der Schule ein kostenloses Mittagessen erhalten.“ Der Zuschuss zur Schulmahlzeit an Ganztagsschulen sei völlig unzureichend und mit viel zu hohen bürokratischen Hürden behaftet.

Doch mit dem Apfel soll es auch nicht sein Bewenden haben. „Wir wollen unsere Schüler insgesamt an Obst und Gemüse aus regionalem Anbau heranführen“, sagt Gerd Hahne, Sprecher im Landwirtschaftsministerium. „Das kann dann auch über Mohrrüben oder Erdbeeren laufen.“ Für Nachschub ist gesorgt: Wenn es auch an Lehrern mangelt – an Obst und Gemüse herrscht kein Mangel im Land.