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Niedersachsen Ernst Albrecht ist gestorben
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22:41 13.12.2014
Ex-Ministerpräsident Ernst Albrecht im Alter von 84 Jahren gestorben. Quelle: dpa
Hannover

Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) ist tot. Das teilte seine Tochter, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), bei einem Truppenbesuch im afghanischen Masar-i-Scharif mit. Er sei am Sonnabend gestorben. Albrecht wurde 84 Jahre alt. „Mein Vater hat ein sehr erfülltes, langes Leben gehabt“, sagte von der Leyen. Er habe nicht leiden müssen und sei „ganz schnell und ganz friedlich“ gestorben. Insofern sei sie „eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt“.

Von der Leyen hatte in einer kurzen Rede vor Soldaten den Tod ihres Vaters öffentlich gemacht. Sie habe vor einer Stunde von seinem Tod erfahren. Von der Leyen bat um Verständnis, dass sie sich zurückziehen und an der Weihnachtsfeier der Soldaten in Masar-i-Scharif nicht teilnehmen werde.

Stephan Weil ist nicht der erste niedersächsische SPD-Ministerpräsident, der seine Mehrheit verliert: Ernst Albrecht (CDU) war am 15. Januar 1976 als Oppositionskandidat mit Stimmen aus der sozialliberalen Regierungskoalition überraschend zum Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Ministerpräsidenten Alfred Kubel gewählt worden. 

Der studierte Volkswirt stand 14 Jahre lang an der Regierungsspitze, nachdem er 1976 mit Hilfe von Überläufern aus dem SPD-Regierungslager überraschend zum ersten CDU-Ministerpräsidenten Niedersachsens gewählt worden war. In Albrechts Amtszeit als Ministerpräsident fiel unter anderem im Jahr 1977 die Entscheidung für den Standort Gorleben als Atommülldeponie. Bei der Landtagswahl im Mai 1990 unterlag er dem SPD-Herausforderer Gerhard Schröder und nahm seinen Abschied aus der Politik.

Bundespräsident Gauck würdigt Albrecht

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Albrecht einen „Mann von großer Gestaltungskraft“. Er habe sich "auf europäischer Ebene, in der Landes- und Bundespolitik und auch als erfolgreicher Unternehmer um das Wohl seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr verdient gemacht", erklärte Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamtes in einem Kondolenzschreiben an die Ministerin. "Auch die Würde, mit der er seine lange, schwere Krankheit trug, hat ihm und seiner Familie großen Respekt eingetragen."

„Ein überzeugte Europäer“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) würdigte den Ex-Landesvater als Europäer und bodenständigen Niedersachsen. "Mit Ernst Albrecht verliert Niedersachsen einen Politiker, der unser Land über annähernd eineinhalb Jahrzehnte geprägt hat", sagte Weil. "Unter Ernst Albrecht wurde Niedersachsen 1979 zu einem der ersten Länder im Westen, das sich bereit erklärte, vietnamesische Bootsflüchtlinge aufzunehmen." Als überzeugter Europäer habe Albrecht sich zudem bleibende Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung erworben. Albrecht habe sich vor allem für die Wirtschaft im Land aber auch für die Kultur eingesetzt. So sei auf sein Engagement unter anderem die Gründung der Stiftung Niedersachsen zurückzuführen, sagte Weil. "Er war in der niedersächsischen Bevölkerung außerordentlich beliebt und angesehen, was sich nicht zuletzt bei den Landtagswahlen 1978, 1982 und 1986 ausdrückte", sagte Weil. Albrecht habe einen festen Platz in der Landesgeschichte. "Mein Mitgefühl gilt in diesen Tagen seiner Familie", betonte der SPD-Politiker.

Bischof Meister erinnert an Flüchtlingshilfe

Auch der evangelische Landesbischof Ralf Meister würdigte den verstorbenen Ministerpräsidenten für dessen Einsatz. "Besonders beeindruckt hat mich seine Haltung, als er 1978 den Flüchtlingen aus Vietnam zusagte, dass sie in ein Land kämen, in dem sie keine Furcht haben müssten, sondern ihr Leben neu aufbauen und eine neue Heimat finden könnten", sagte der Bischof. "Diese Haltung ist bis heute vorbildlich." Albrecht habe seinen christlichen Glauben persönlich gelebt, betonte Meister. Werner M. Bahlsen erinnert sich an Albrecht als eine "herausragende Persönlichkeit". Vor seiner Karriere als Politiker war Albrecht in dem Unternehmen fünf Jahre als Geschäftsführer tätig.

Seit 2003 litt Albrecht an Alzheimer und fortschreitendem Gedächtnisverlust. In den letzten Jahren lebte er mit von der Leyen und deren Familie auf dem Anwesen in Beinhorn bei Burgdorf. Erst Ende November war die Schwiegermutter von der Leyens gestorben. Sie hatte deswegen damals die Teilnahme an der ersten Debatte über die neue Afghanistan-Mission im Bundestag abgesagt.

Von der Leyens Rede im Wortlaut

Bei einem Truppenbesuch im nordafghanischen Masar-i-Scharif hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Tod ihres Vaters Ernst Albrecht bekannt gemacht. Die Ansprache im Wortlaut:

"Liebe Soldatinnen und Soldaten, ich muss Ihnen jetzt etwas sagen, was mit schwer fällt. Ich habe in bester Erinnerung, letztes Jahr, dass wir ein, zwei Stunden hier viele, viele Fotos gemeinsam gemacht haben, viele, viele Selfies. Ich habe mit Ihnen gesprochen, es war ein unglaublich unterhaltsamer, lustiger Abend, Sie haben mir die Stände gezeigt, ich habe viele verschiedene Speisen hier kennengelernt. Ich habe vor einer Stunde erfahren, dass mein Vater gestorben ist, und ich möchte deshalb um Verständnis bitten, dass ich heute Abend diese Fotos mit Ihnen nicht machen kann.

Mein Vater hat ein sehr erfülltes langes Leben gehabt. Er hat nicht leiden müssen, er ist ganz schnell und ganz friedlich gestorben. Insofern bin ich heute eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt. Dennoch bitte ich um Verständnis, dass ich mich jetzt zurückziehen möchte, Ihnen aber von Herzen nochmal sagen möchte: Haben Sie eine gesegnete Weihnacht, kommen Sie gut ins neue Jahr, bleiben Sie behütet und kommen Sie vor allem heil wieder nach Hause."

rie/vdb/frs/dpa/afp

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