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Niedersachsen Niedersächsische Neonazis feierten Morde schon 2010
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12:42 19.11.2011
Von Karl Doeleke
Niedersächsische Neonazis haben die Morde des Zwickauer Terror-Trios schon 2010 gefeiert.
Niedersächsische Neonazis haben die Morde des Zwickauer Terror-Trios schon 2010 gefeiert. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Obwohl die Band des einschlägig bekannten Neonazis Daniel „Gigi“ Giese vom Verfassungsschutz beobachtet wurde und die CD von den Behörden sogar indiziert wurde, kam beim Verfassungsschutz niemand auf den Gedanken, dass es eine Verbindung zwischen den Morden und der rechtsextremen Szene gegeben hat. „Wir haben das damals nicht so gesehen“, räumte Maren Brandenburger, Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, am Freitag ein.

Die Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ singt im „Döner-Killer“-Song, der vor eineinhalb Jahren auf der CD „Adolf Hitler lebt“ erschienen ist, von den Morden an türkischen und einem griechischen Kleinunternehmern, fordert offen weitere Taten – und macht sich über die offensichtliche Ahnungslosigkeit der Behörden lustig: „Neunmal hat er es schon getan / Die SoKo Bosporus, sie schlägt Alarm / Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom / Sie drehen durch, weil man ihn nicht findet.“

Noch im Monat des Erscheinens hatte der Verfassungsschutz das Landeskriminalamt auf die CD aufmerksam gemacht. Sie wurde im Sommer 2010 öffentlich verbreitet, im Internet angepriesen und verkauft. Im November 2010 wurde die CD dann durch einen Beschluss des Amtsgerichts Osnabrück wegen Volksverhetzung aus dem Verkehr gezogen.

Offenbar machte es aber weiter niemanden stutzig, dass die rechte Szene die Mordserie des Zwickauer Trios abfeierte, zumal mit der Zeile „Neun sind nicht genug“ weitere Morde angedroht werden. „Es ist ein Dilemma, dass damals in der Szene etwas kommentiert wurde, was die Behörden nicht erkannt haben“, sagt Verfassungsschutz-Sprecherin Brandenburger. Sie will das dennoch nicht als Versäumnis des Verfassungsschutzes werten. Es sei nicht einmal klar, ob die rechte Szene selbst eine Verbindung von den Morden zu Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gelegt habe. Es würden aber viele schreckliche Dinge als Erfolg der rechten Szene besungen – etwa das jüngste Erdbeben in der Türkei.

Von rechten Musikgruppen gibt es weitere Hinweise, dass das Zwickauer Terror-Trio in der Szene offenbar bekannt war. So singt die Band Eichenlaub aus Thüringen: Ihr hattet wohl keine andere Wahl / ... / Zurück könnt ihr jetzt wohl nicht mehr / ... / Die Kameradschaft bleibt bestehen.“ Das Lied heißt „5. Februar“ – am 5. Februar 1998 war das Trio in den Untergrund gegangen.

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