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Niedersachsen Opposition fordert bessere Ausstattung des LKA
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08:31 11.05.2011
Von Karl Doeleke
Mitunter dauert es zwei Jahre, bis DNA-Proben beim LKA bearbeitet werden. Quelle: Martin Steiner
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Nach dem Geständnis einer 35-jährigen Frau aus Braunschweig im „Waller Babymord“ durchleuchtet die Gifhorner Polizei noch einmal das Umfeld der Tatverdächtigen. Die Frau hatte am vergangenen Donnerstag gestanden, vor sechs Jahren ihrem gerade erst geborenen Mädchen die Kehle durchgeschnitten zu haben. Bei der Vernehmung der Frau kam heraus: In ihrer Wohnung starb Ende April ein zweiter Säugling unmittelbar nach der Geburt. Die Polizei hält es für möglich, dass die Frau auch diese Tochter getötet hat. Sie hatte angegeben, sie sei nach der Entbindung in der Badewanne ohnmächtig geworden, das Kind daher ertrunken.

Die Opposition im Landtag kritisiert mit Blick auf das zweite Baby die lange Bearbeitungszeit von DNA-Proben beim Landeskriminalamt in Hannover. Klaus-Peter Bachmann, Innenpolitiker der SPD, sagte: „Mit einer schnelleren Analyse könnte das zweite Baby heute vielleicht noch leben.“ Bachmann verweist damit auf die Auswertung einer Spur auf einer Zigarette und fordert von Innenminister Uwe Schünemann neue Stellen beim LKA für die Genanalyse.

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Die Zigarette stammt aus einem gestohlenen Pkw und führte am Ende zu der 35-Jährigen. Es hat aber mehr als ein Jahr gedauert, bis die Techniker des LKA eine Übereinstimmung mit DNA an Zigaretten fanden, die vor sechs Jahren am Waller See gefunden worden waren. Dort hatte die Frau die erste Babyleiche vergraben. Nach der Treffermeldung sei die Polizei in Gifhorn am 14. April sofort telefonisch informiert worden, sagt LKA-Sprecher Frank Federau. Die Mordkomission musste weitere Ermittlungen anstellen und kam zu spät: Am 26. April starb der Säugling.

Tatsächlich gibt es beim LKA einen Bearbeitungsstau von DNA-Proben. Die Behörde spricht von „rund 5000“ Fällen. Eine Anfrage der Linksfraktion hatte bereits im vergangenen Jahr offenbart, dass manche DNA-Spuren bis zu zwei Jahre auf Bearbeitung warten – gerade in sogenannten Massendelikten wie Pkw-Diebstählen, die erst einmal hintangestellt werden. Pia Zimmermann (Linke) sagte: „Die Bearbeitungszeit von DNA-Proben muss deutlich reduziert werden.“ Das gehe nur mit zusätzlichem Personal. „Deutlich mehr“ Stellen fordert auch der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff.

Inzwischen hat auch das Innenministerium Handlungsbedarf festgestellt und bereits im April vier neue Stellen in der Genanalyse ausgeschrieben. Außerdem sollen vermehrt private Labors beauftragt werden.