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Niedersachsen Philologenverband sagt Rot-Grün den Kampf an
Nachrichten Politik Niedersachsen Philologenverband sagt Rot-Grün den Kampf an
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16:00 28.11.2012
Von Saskia Döhner
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Ob es um kleinere Klassen, bessere Besoldung der Lehrer, den Gymnasialzweig an den neuen Oberschulen oder die angeblich zu guten Kontakten des Ministers zur linksgerichteten Gewerkschaft Erziehung und Wissen (GEW) und deren Vorsitzenden Eberhard Brandt ging, Althusmann war in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer wieder heftigen Angriffen der Philologen ausgesetzt.

Wenn von außen aber plötzlich vermeintlich noch größere Gefahr droht, dann rückt man zusammen. Und wenn Wahlkampf ist, dann erst recht. Und so hat der Kultusminister beim Philologentag in Goslar vor rund 350 Teilnehmern einmal mehr die besondere Bedeutung des Gymnasiums für das niedersächsische Schulsystem betont. Er sprach von "der erfolgreichsten Schulform". 41 Prozent der Schüler einer Jahrgangs gingen schon derzeit aufs Gymnasium, in einigen Jahren könnte es sogar die Hälfte sein, sagte er. Im Raum Göttingen seien es heute schon 60 Prozent. Die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien sei gesichert. Die Lehrerkollegien würden weiter verjüngt - durch 958 Neueinstellungen in diesem und 927 im nächsten Schuljahr.

Wichtig sei es, dass die Viertklässler, die eine Gymnasialempfehlung erhielten, auch gymnasialfähig seien, unterstrich Althusmann. In diesem Zusammenhang gelte es, die frühkindlichen Bildung zu stärken. Besonderes Augenmerk will der Minister auf den Übergang von Kindergarten in die Grundschule legen: "Was wir hier tun, kommt später auch den Gymnasien zugute."

Der Philologenverband sei nicht per se für die CDU oder gegen die SPD, sagte dessen Vorsitzender Horst Audritz. "Die Nähe oder Ferne zu unserem Verband bestimmen die Parteien selbst." Und kündigte kurz danach an: "Wer das Gymnasium benachteiligen, sein Leistungsniveau gezielt herabsetzen oder unsere Schulform gar abschaffen will, der muss mit unserem entschiedenen Widerstand rechnen." Und eben das wolle die Opposition, wenn sie an die Macht kommen sollte, davon ist Audritz überzeugt, allen gegenteiligen Beteuerungen der SPD-Kultus-Schattenministerin Frauke Heiligenstadt zum Trotz.

Rot-Grün will die Zahl der Klassenarbeiten und Klausuren - 400 sind es in einem Schülerleben bis zum Abitur - reduzieren und setzt stattdessen mehr auf Gruppenprojekte. Die Lehrer sollen nicht nicht mehr schulformspezifisch, also für Hauptschulen und Gymnasien getrennt, sondern auf Stufen (für die Jahrgänge 5 bis 10 und für die Oberstufe) ausgebildet werden. Die Integrierte Gesamtschule soll nicht nur Ergänzungsschule sein, sondern auch andere Schulformen ersetzen können.

Die Philologen sehen diese Pläne als Anschlag auf die Gymnasien und wollen sie mit aller Macht verhindern. Minister Althusmann versprach, sie in dem Kampf zu unterstützen. "Ich bin zu jedem Streit bereit, Tag und Nacht." Während SPD-Politikerin Heiligenstadt "den Druck aus den Schulen nehmen" will, sagt FDP-Bildungsexperte Björn Försterlin, dass am Niveau nicht gerüttelt werden dürfe: "Gymnasien sind der Garant dafür, dass Aufstieg durch Leistung möglich ist."

Der Philologen-Forderung nach besserer Besoldung und Weihnachtsgeld erteilte Althusmann in Goslar klar eine Absage. Eine Liebesbeziehung ist das Verhältnis zwischen dem Kultusminister und den Philologen eben immer noch nicht, eher ein Zweckbündnis mit der Mission, das Gymnasium zu retten.

Juliane Kaune 30.11.2012
Michael B. Berger 29.11.2012
26.11.2012