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Niedersachsen Piraten auf der Suche nach Spitzenkandidaten
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18:43 05.08.2012
Von Klaus Wallbaum
So klar ist eben doch nicht alles: Die Piraten in Niedersachsen suchen ihren Spitzenkandidaten. Quelle: dpa
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Hannover

Je länger sich die Zeit bis zur Entscheidung hinzieht, desto mehr Zweifel werden laut - auch in der Partei. Die Piraten wollen nun Ende August endlich die Reihenfolge ihrer Kandidaten für die Landtagswahl festlegen. Ende Juli war das gescheitert, weil der Parteitag in stundenlangen Debatten fast handlungsunfähig wurde. Darunter leidet vor allem einer, der 58-jährige Kultur- und Sozialwissenschaftler Meinhart Ramaswamy aus Göttingen.

Im April nämlich stand er als Spitzenkandidat der Piraten fest. Doch dann wurde der Parteitag wegen Formfehlern angefochten und wiederholt. Ende Juli bestand die klare Absicht, wenigstens bis Sonntagabend den Spitzenkandidaten zu wählen - doch das schlug aus Zeitmangel fehl. Jetzt hängt Ramaswamy in der Luft, kann sich offiziell nicht Spitzenkandidat nennen, obwohl er doch schon sechs Wochen lang als solcher gehandelt und auf öffentlichen Foren herumgereicht worden war. Nun gibt es einige in der Partei, die eine Alternative zu dem alten politischen Fuchs wohl bevorzugen würden.

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Tatsächlich könnte es beim entscheidenden Parteitag Ende August in Delmenhorst zu einem Kräftemessen kommen. Neben Ramaswamy beeindruckt vor allem eine junge Frau aus dem Kreis Osnabrück, die 25-jährige Katharina Nocun, die als Referentin für „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ beim Bundesverband der Verbraucherzentralen arbeitet. Ihre Vorstellungsrede beim jüngsten Parteitag wurde bejubelt, und sie erzielte das beste Ergebnis bei der Abstimmung über die Frage, welche 30 Interessenten auf die Landesliste der Piratenpartei für die Landtagswahl kommen sollen. Ramaswamy hatte acht Stimmen weniger. Nocun ist eine „Neupiratin“, da sie erst seit März dieses Jahres der Partei angehört. Aber sie hat sich trotz ihres jungen Alters schon seit fünf Jahren für Ziele engagiert, die auch von vielen Piraten geteilt werden - der Schutz digitaler Daten etwa, oder der Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung. Nocun ist in Polen geboren und „mit Computern aufgewachsen“, wie sie sagt. Ihre Mutter arbeitet als Datenbankadministratorin, ihr Vater als IT-Projektmanager. Sie selbst hat Politik und Wirtschaft in Münster und Hamburg studiert, ihre Masterarbeit soll sich mit dem Datenschutz auf EU-Ebene befassen. Sie wohnt in Dissen am Teutoburger Wald.

Im Unterschied zu Nocun ist der 58-jährige Ramaswamy ein Urgestein im politischen Geschäft. Vor 35 Jahren hat er als Sozialwissenschaftler promoviert über „die kulturelle Erneuerung durch Erziehung am Beispiel Indiens“, er arbeitet als Publizist, Dozent für Medienpraxis und Werbegrafiker. Er hat eine bewegte Vergangenheit - beruflich wie politisch. Als Geschäftsführer einer Waldorf-Schule in Hannover war er tätig, als Leiter eines anthroposophischen Instituts, als Personalentwicklungsplaner und als Kaufmann. In seinen Tätigkeiten war er durchaus nicht unumstritten, beispielsweise vor fünf Jahren, als Ramaswamy die Geschäfte des Stadtradios in Göttingen leitete. Er habe sich seinerzeit „eingemischt in die Arbeit der Redaktion“ und „Bürgerfunk-Ideen unterstützt“, sagt er. Die Redaktion habe ihn „auflaufen lassen“, und im Ergebnis dieser Unruhe seien einige Sponsoren, die er zuvor eingeworben hatte, abgesprungen. Das Ergebnis sei finanzielle Knappheit gewesen, und von einem neugewählten Vorstand sei er dann „weggeputscht“ worden.

Ramaswamy, der vor vielen Jahren den Grünen nahestand, hatte 2006 den Kommunalwahlkampf der Linken in Göttingen unterstützt. Einige Jahre später versuchte er dann erfolglos, Bundestagskandidat der FDP in Göttingen zu werden - „unterstützt von einigen sozialliberalen Kräften in der Partei, die mich gebeten hatten“, sagt er. Seit drei Jahren nun gehört er den Piraten an, arbeitet als Schatzmeister im Landesverband. Daher gilt Ramaswamy als „Altpirat“. Als solche werden diejenigen in der Partei bezeichnet, die schon vor dem Einzug der Piraten in die ersten Länderparlamente zur Bewegung gehörten - also völlig frei vom Verdacht sind, als „Konjunkturritter“ den Weg in die Partei gefunden zu haben.

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