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Niedersachsen Plagiatsfälle schaden Politik und Wissenschaft
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17:44 16.05.2011
Johanna Wanka sieht das Vertrauen in Politik und Wissenschaft erschüttert. Quelle: dpa
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Neben Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Silvana Koch-Mehrin (FDP) soll jetzt auch der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis in seiner Dissertation abgeschrieben haben.

Aus diesen Einzelfällen sei aber kein genereller Werteverfall abzuleiten, betonte die Ministerin, die selbst Mathematikprofessorin ist. „Wovor ich wirklich Sorge habe und wovor ich warnen möchte, ist ein Generalverdacht. Es gab immer schon die Situation, dass bei wissenschaftlichen Arbeiten nicht korrekt gehandelt wurde.“ Dank der Computertechnik könnten Plagiate heute jedoch besser erkannt werden.

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Bundesweit planen etliche Hochschulen, ihren Doktoranden in Zukunft genauer auf die Finger zu schauen, zum Beispiel mit Plagiats-Software. Die Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung, dass die Arbeit ohne fremde Hilfsmittel verfasst wurde, wird an einigen Unis bereits verlangt.

Johanna Wanka, die von 2000 bis 2009 Wissenschaftsministerin in Brandenburg war, ist „gespannt“ auf den Prozess in den Hochschulen, will striktere Kriterien aber keinesfalls aus dem Ministerium vorschreiben. „Promotion ist das ureigene Recht der Universität. Einen Eingriff in ihre Autonomie würden sich die Hochschulen auch verbitten.“

Die Ministerin sieht nicht nur die Politiker, die abgeschrieben haben, beschädigt. „Auch das Vertrauen in die, die dafür gute Noten gegeben haben, ist verletzt“, sagte sie. Die Affären sorgten für eine Selbstreflexion im Wissenschaftsbetrieb. „Es hat auch den Effekt, dass die Hochschulen selbstkritischer sind, was die Kontrollen betrifft.“

Nach Expertenschätzungen geht es bei bis zu 300 der rund 25.000 neuen Promotionen pro Jahr unredlich zu. Wie viele Doktoranden sogar einen Ghostwriter beschäftigen, ist unklar. „Einen Ghostwriter einzusetzen, ist eindeutiger Betrug“, betonte Wanka.

dpa

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Stefan Koch 16.02.2011