Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Polizei rüstet sich für Großeinsatz im Wendland
Nachrichten Politik Niedersachsen Polizei rüstet sich für Großeinsatz im Wendland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 09.11.2010
Die Polizei in Niedersachsen rüstet sich für ihren Großeinsatz im Wendland.
Die Polizei in Niedersachsen rüstet sich für ihren Großeinsatz. Quelle: dpa
Anzeige

Der Verladebahnhof in Dannenberg - dort werden die Atommüll-Behälter vom Zug auf Speziallastwagen umgeladen - wurde am Mittwoch abgesperrt und dick mit Stacheldraht eingezäunt.

Die Lage sei bislang aber noch ruhig, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Lüneburg. Am kommenden Samstag (6.) ist eine große Anti-Atom-Demonstration im Wendland mit mehreren zehntausend Menschen geplant. Atomkraftgegner wollen unter anderem Schienen blockieren und Steine aus den Gleisen entfernen.

Die ersten Atommüll-Behälter verließen am Mittwoch die Wiederaufarbeitungsanlage im nordfranzösischen La Hague und rollten auf der Straße zum rund 30 Kilometer entfernten Bahnhof Valognes. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von fünf Castor-Behältern. Die restlichen sechs Behälter sollen am kommenden Dienstag und Mittwoch nach Valognes gebracht werden.

Der Beginn des rund 1000 Kilometer langen Transports zum niedersächsischen Zwischenlager Gorleben ist dann für den 5. November geplant. Der etwa 2500 Tonnen schwere Zug soll bis Dannenberg fahren, dort werden die Behälter für die letzte Etappe auf der Straße umgeladen.

Greenpeace kritisierte Gefahren durch die radioaktive Strahlung des Transportes. Dieses Mal sei die Konzentration der Radioaktivität extrem hoch, sagte der Atom-Experte der Umweltorganisation Yannick Rousselet. Es bestehe eine Gefahr für alle, die an den Transporten beteiligt seien, nicht zuletzt für die Sicherheitskräfte, betonte er. Greenpeace begründete dies damit, dass die Brennstäbe besonders lange im Einsatz gewesen seien.

Die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), die das Zwischenlager in Gorleben betreibt, berichtete, im Inneren der Behälter sei die Aktivität höher als in der Vergangenheit. Es seien deshalb aber neue Behältertypen entwickelt worden, so dass die messbare Strahlung außerhalb der Castoren nicht höher sei als bei früheren Transporten.

Die Anti-Atomkraft-Bewegung erwartet auch angesichts der geplanten Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke weitaus mehr Zulauf für die Proteste im Wendland. In Frankreich wird der Atommüll-Transport in der Öffentlichkeit dagegen kaum wahrgenommen.

In Niedersachsen wurden in der Vergangenheit um die 10.000 Polizeibeamte eingesetzt, von der Bundespolizei kamen noch tausende Kräfte dazu. Das Innenministerium in Hannover will bislang aber keine genauen Angaben machen. Das Lagebild werde erst kurz vor dem Einsatz erstellt, hieß es.

In Hannover nahm die Polizei zwei Atomkraftgegner fest, sie sollen zur Sabotage der Gleise aufgerufen haben. Die 21 Jahre alte Frau und ihr 30 Jahre alter Begleiter hätten in einer U-Bahn Aufkleber mit einem Internetlink angebracht, unter dem zur Beschädigung der Gleisanlagen aufgerufen werde, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die beiden Atomkraftgegner schwiegen in ihrer Vernehmung bei der Polizei. Sie kamen anschließend auf freien Fuß.

dpa

Mehr zum Thema
Aus der Stadt Aufkleber in Stadtbahn angebracht - Polizei nimmt Castor-Gegner in Hannover fest

Am Dienstagabend hat die Polizei Hannover an der U-Bahnstation „Kröpcke“ zwei mutmaßliche Castor-Gegner vorläufig festgenommen. Beide hatten zuvor in einer Stadtbahn Aufkleber angebracht und zu strafbaren Aktionen gegen den Atommülltransport aufgerufen.

27.10.2010

Der bevorstehende Castor-Transport wird ohne Einsatzbeteiligung der Bundeswehr ins Zwischenlager Gorleben rollen. Die Bundeswehr unterstütze den Einsatz lediglich logistisch, teilte das niedersächsische Innenministerium mit. Bei Auseinandersetzungen mit Atomkraftgegnern will die Polizei auf Deeskalation setzen.

09.11.2010

Besuch an einem hochgesicherten Ort: Im Zwischenlager Gorleben müssen die Atombehälter sehr lange abkühlen. „Ungefähr 30 Jahre dauert das", verrät ein Atomtechniker.

Karl Doeleke 09.11.2010