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Niedersachsen Professor von Wulffs Gnaden
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20:49 20.10.2009
Will mehr Leute mit akademischen Titeln: Wissenschaftsminister Lutz Stratmann. Quelle: Martin Steiner
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Die Landesregierung soll nach dem Vorschlag von Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) künftig ermächtigt werden, verdiente Persönlichkeiten mit dem Titel „Professor ehrenhalber“ auszuzeichnen. In mehreren Hochschulen ist das mit Verwunderung aufgenommen worden, denn bisher war es den Universitäten vorbehalten, den begehrten Rang des Professors zu verleihen.

Der Passus steht im Entwurf des neuen Hochschulgesetzes, das gegenwärtig den Hochschulen zur Stellungnahme vorliegt und vermutlich im November den Landtag passieren soll. In den Genuss des besonderen Namenszusatzes können demnach Persönlichkeiten kommen, „die sich in besonderer Weise um Wissenschaft, Technik, Kultur oder Kunst in Niedersachsen verdient gemacht“ haben. Eine Tätigkeit als Hochschullehrer wird von den Empfängern allerdings nicht erwartet – die Idee dient nur dazu, kluge Köpfe besonders herauszustellen.

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Mehrere andere Vorschläge im neuen Gesetz haben das Ziel, die Arbeit an den Hochschulen in Zukunft attraktiver zu machen. So sieht der Entwurf vor, auf die umständliche Ausschreibung von Professorenstellen zu verzichten – und zwar dann, wenn ein Juniorprofessor oder der Leiter einer „Nachwuchsgruppe“, wie es im Wissenschaftsjargon heißt, als Professor auf Lebenszeit berufen wird. Das gleiche soll gelten, wenn ein befristet tätiger Hochschullehrer auf Dauer beschäftigt werden soll. Außerdem will sich das Land vor der Abwerbung von Professoren durch Hochschulen außerhalb Niedersachsens schützen – die bisherige Universität soll dem Umworbenen dann, ebenfalls ohne vorherige Ausschreibung, eine höherwertige Stelle anbieten und zügig übertragen können.

Die Ernennung von „Professoren ehrenhalber“ ist nun stärker ein Versuch, mehr Menschen im Lande mit dem angesehenen Professorentitel zu versehen – denn dies wäre in jedem Fall ein Imagegewinn für Niedersachsen und auch für die hiesigen Universitäten, heißt es aus der Landesregierung. Auch dann, wenn die Empfänger nicht an einer Hochschule lehren werden. Hessen und Brandenburg kennen diese Regelung schon, Niedersachsen bisher noch nicht. „Wir müssen im Wettbewerb um die Köpfe flexibler und moderner agieren“, sagt der Sprecher des Wissenschaftsministers.

In diese Richtung geht auch ein anderer Vorschlag im Gesetz: Wenn Gastwissenschaftler an einer Universität für bestimmte Zeit Vorlesungen halten und Seminare anbieten, sollen sie sich künftig auch „Professor“ nennen dürfen.

von Juliane Kaune und Klaus Wallbaum