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Niedersachsen Projekt des Landes Niedersachsen bewahrt vor Haft
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20:38 19.12.2010
Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
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Verurteilt wurden sie zum Beispiel wegen Schwarzfahrens oder weil sie betrunken mit dem Fahrrad unterwegs waren. Wenn die Betroffenen das Gefängnis wieder verlassen, droht ihnen nicht selten der Absturz: Wohnung weg, Arbeit gekündigt. Seit Anfang des Jahres versucht das Land Niedersachsen mit dem Projekt „Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafe” dagegen zu steuern. 14 Beratungsstellen unterstützen Menschen dabei, etwa trotz Überschuldung ihre Strafe zu zahlen.

Kürzlich hat Frank Möller (Name geändert) einen Brief von der Staatsanwaltschaft Celle bekommen. Darin wird er aufgefordert, innerhalb der nächsten drei Wochen zum Strafantritt in der Justizvollzugsanstalt Burgdorf zu erscheinen. 81 Tage soll er dort seine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 1400 Euro absitzen – weil er nicht regelmäßig 25 Euro pro Monat bezahlt hat. Das war die Rate, die das Gericht für den Hartz-IV-Empfänger als Strafe für eine Beleidigung festgelegt hatte. „Ich bekam die Zusage für einen Job bei einer Sicherheitsfirma, für den ich vier Wochen an einem Lehrgang teilnehmen musste“, erklärt Möller. „Die Fahrtkosten musste ich vorschießen, da blieb nichts mehr für die Geldstrafe übrig.”

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Der Brief war für ihn ein Schock. „Ich war noch nie im Gefängnis. Die Stelle bei der Sicherheitsfirma hätte ich mir abschminken können”, sagt der 45-Jährige, der seinen Beruf als Rettungsschwimmer wegen einer Verletzung aufgeben musste und zuletzt drei Jahre arbeitslos war.

Frank Möller hat Glück im Unglück. Am Ende des Briefes der Staatsanwaltschaft findet er einen Flyer mit der Überschrift „Geldstrafe? Ladung zum Strafantritt? Wir helfen Ihnen, eine Haftstrafe zu vermeiden.” Er stammt vom Projekt Brückenbau, das in Celle straffällige Menschen betreut. Seit Anfang dieses Jahres berät Diakon Matthias Wachau Personen wie Möller. „Wir haben der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen, dass Möller künftig 50 Euro im Monat zahlt. Durch seine neue Arbeit hat er ja mehr Geld. Die Staatsanwaltschaft hat dem zugestimmt”, berichtet Wachau. Eine Lösung, von der alle profitieren: Möller braucht nicht ins Gefängnis und kann seine Arbeit antreten. Und der Staat spart viel Geld, denn ein Hafttag kostet 100 Euro. Zudem kann Möller seine Strafe nun zahlen.

Joachim Göres