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Niedersachsen Rätselhafter Schaden bremst Superhafen
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22:24 22.02.2012
Von Klaus Wallbaum
Im August soll Niedersachsens neuer Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven fertig sein. Quelle: dpa
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Wilhelmshaven

Die bremisch-niedersächsische Hafengesellschaft (JWP) setzt das Baukonsortium unter Leitung der Papenburger Firma Bunte jetzt unter Druck: Bis Anfang Mai sollen die Mängel beseitigt sein, weitere Abschlagszahlungen an die Unternehmen werden so lange nicht überwiesen.

Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) erklärte, er sehe „keine Gefahr“ für den 5. August als Eröffnungstermin für den Hafen. Man könne aber von den Bauunternehmen erwarten, dass sie jetzt „mit Hochdruck“ die Sanierung angehen.

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Daran aber hat die JWP offenbar große Zweifel, wie aus einem internen Schreiben von Geschäftsführer Axel Kluth an das Baukonsortium hervorgeht. Nach Kluths Berechnungen sollte der Bau Anfang Januar abgeschlossen sein, nach Berechnungen der Firmen ist aber wegen der Schlechtwetterperiode ein späterer Zeitpunkt verbindlich. Die Löcher sind entstanden, weil Schlösser, mit denen die Spundwände gegenseitig verzahnt werden, gebrochen sind. Über die Ursache wird noch gerätselt, diese Frage ist aber entscheidend dafür, ob das Bauunternehmen oder seine Versicherung für die Kosten aufkommen muss. Der bisherige Schaden wird auf mehr als 12,5 Millionen Euro geschätzt.

JWP-Geschäftsführer Kluth beklagt sich darüber, dass die Baufirmen die Reparatur bis Ende Juli angekündigt haben. Da schon Anfang Mai der Betreiber Eurogate den Hafen übernehmen und dort riesige Containerbrücken aufstellen will, macht Kluth jetzt Dampf: Sollte Eurogate den Hafen wegen der schadhaften Kajenmauer nicht übernehmen wollen und „erhebliche Schadensersatzansprüche“ stellen, werde man diese direkt an die Baufirmen weiterleiten. Erwartet werde, dass die Unternehmen sieben Tage in der Woche in 24-Stunden-Schichten an der Reparatur arbeiten, nicht lediglich fünf Tage. Auch in der Landesregierung werden die Probleme als großes Ärgernis angesehen: Es wäre ein Flop, wenn wegen eines Rechtsstreits mit den Baufirmen oder Eurogate die Eröffnung abgesagt werden müsste.

Das Problem könnte sich noch zuspitzen, denn bisher sind die Sandmassen vor der Mauer auf der Wasserseite noch nicht vollständig abgefräst. Sobald das geschieht, steigt der Wasserdruck auf die Spundwände – und dann könnten weitere Schlösser aufbrechen. Bisher betont die JWP jedoch, dass dies die Standfestigkeit der Kaje nicht beeinträchtigt. Die Reparatur könnte sich aber noch mehr in die Länge ziehen.