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Niedersachsen Reden ja, aber mehr nicht
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14:50 12.10.2013
Die grüne Fraktionsvorsitzende im Landtag, Anja Piel, äußerte sich positiv, aber auch skeptisch zu Schwarz-Grün in Berlin. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Grüne sehen der zweiten Sondierungsrunde mit der Union in Berlin mit großer Skepsis und gemischten Gefühlen entgegen. Befürwortet wird zwar, dass beide Seiten miteinander reden, doch eine Rolle als Juniorpartner an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kann sich kaum ein Grüner in Niedersachsen vorstellen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei mehreren Kreisverbänden.

„Ich finde es richtig und gut, dass wir nach so einem Wahlergebnis erst mal miteinander reden und abklopfen, wie solche schwarz-grünen Projekte ausschauen könnten“, sagte die grüne Fraktionsvorsitzende im Landtag, Anja Piel, äußerte aber auch Skepsis.

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Diese wird geteilt an der Basis. Die Ankündigung eines zweiten Sondierungsgesprächs an diesem Dienstag betrachte sie mit großer Sorge, sagte Birgit Kemmer aus Lingen, die bei der Bundestagswahl den Sprung nach Berlin verpasste. „Ich lehne Schwarz-Grün ab. Das kann man mir nicht schönreden. Für mich ist das unvorstellbar“, sagt die Vorsitzende des Kreisverbandes Emsland-Süd. Auch habe sie den Eindruck, dass die große Mehrheit der Grünen im Emsland gegen ein Bündnis mit der Union sei. „Wir wollen uns auf unsere Ursprungswerte besinnen und sollten nicht Steigbügelhalter für Frau Merkel sein.“

Auch im Kreisverband Osnabrück, wo der Vorstand am Dienstag die Gespräche in Berlin erörtern will, macht sich Unbehagen breit. „Ich kann mir das nur vorstellen, wenn die Union in einigen Bereichen eine 180-Grad-Wende hinlegt“, sagt Sprecher Ralph Griesinger. Ähnliche Töne auch in Göttingen. „Wie soll Schwarz-Grün laufen? Das passt irgendwie nicht, das würde uns ein Viertel der Mitglieder kosten - auch wenn viele danach wieder kämen“, meint der Geschäftsführer des Kreisverbandes, Raymond Rordorf.

Große Skepsis auch im Kreis Lüneburg, wo die Grünen am 23. Oktober zu einer Mitgliederversammlung zusammenkommen. „Ich kann eines vorweg sagen: Viele Mitglieder können sich das nicht vorstellen. Meine Fantasie geht nicht so weit, dass es zum jetzigen Zeitpunkt für eine Koalition von CDU und Grünen reichen könnte“, sagt Vorstandssprecher Detlev Schulz-Hendel. Gegen die Gespräche mit der Union hat er aber nichts einzuwenden: „Es ist gut, dass wir da grüne Themen ansprechen können.“ Aber die Unterschiede zwischen beiden Parteien seien zu groß, beispielsweise bei der Energiewende. „Und fragen Sie mal die Grünen hier, was sie vom Betreuungsgeld halten.“

In der Landeshauptstadt ist die SPD seit Jahren der Partner der Grünen. „Die Sondierungsgespräche werden als richtig empfunden, weil man miteinander reden muss. Es wäre sicherlich falsch gewesen, die Gespräche abzulehnen“, sagt die Vorsitzende des Regionsverbandes Hannover, Doris Klawunde. Der Großteil der Mitglieder erwarte aber nicht, dass es tatsächlich zu Verhandlungen komme. „Das Wahlergebnis weist klar auf eine große Koalition hin.“ Bei der zweiten Sondierung am Dienstag erwartet Klabunde Themen, „die die großen kulturellen und gesellschaftspolitischen Unterschiede deutlich machen werden“. Im Wahlkreis Hannover II hatten die Grünen mit 15,5 Prozent das landesweit beste Zweitstimmenergebnis erreicht.

dpa

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