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Niedersachsen Ruhestand mit 61 Jahren soll kommen
Nachrichten Politik Niedersachsen Ruhestand mit 61 Jahren soll kommen
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20:53 24.06.2014
Für Lehrer soll der Ruhestand ab einem Alter von 61 Jahren kommen. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Ein sogenanntes Blockmodell soll allen verbeamteten Lehrern ab dem Jahr 2015 ermöglichen, schon mit 61 Jahren aus dem aktiven Dienst zu scheiden. Wer mit 55 Jahren die aktive Phase der Altersteilzeit beginnt, arbeitet zunächst voll und erhält dafür 70 Prozent seines Gehalts. Dieselben Bezüge bekommt er auch weiterhin, wenn er ab 61 in der passiven Phase gar nicht mehr arbeitet. Ein solches Blockmodell, wie es etwa aus der Metallindustrie bekannt ist, gab es für Lehrer bislang nicht.

„Dieses Modell ist individuell und flexibel, jeder kann es sich so zurechtschneiden, wie es für ihn passt“, sagte Ina Korter, Bildungsexpertin der Grünen. Man könne die Altersteilzeit über zehn Jahre strecken oder auch erst mit 62 beginnen. Wichtig sei nur, dass 60 Prozent der Zeit in der aktiven Phase liegen und der Rest in der passiven.

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Rund 5000 Lehrer könnten dieses neue Angebot ab Sommer 2015 nutzen, meinten SPD und Grüne. Es sei deutlich attraktiver als die alte Altersteilzeitregelung von 2011, wonach Lehrer ab 60 Jahren ihre Stundenzahl reduzieren konnten, ein komplettes frühzeitiges Ausscheiden aber nicht möglich war. Gerade einmal 260 Lehrer haben die alte  Regelung in Anspruch genommen, die aber neben dem Blockmodell bestehen bleiben soll. Es würden jetzt nicht nur neue Einstellungsmöglichkeiten für Nachwuchskräfte geschaffen, sagte SPD-Schulexperte Claus Peter Poppe.

Mit der Möglichkeit eines früheren Ausscheidens aus dem Job werde auch einem Burnout vorgebeugt. Tatsächlich hält nur ein Fünftel der Lehrer bis zum 65. Lebensjahr durch, die meisten gehen mit 62 – und erheblichen Abzügen bei der Pension – in den Ruhestand. Nach Ansicht von Rot-Grün trägt das neue Altersteilzeitmodell den Wünschen der Lehrer Rechnung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lobte den Plan, sieht darin aber keinen Ersatz für die einst versprochene generelle Altersermäßigung für Lehrer ab 55, die von der Regierung erst mal auf Eis gelegt worden ist. Ohne den Druck der Straße hätte sich die Regierung bei dem Thema gar nicht bewegt, sagt GEW-Chef Eberhard Brandt. Man werde weiter protestieren. Björn Försterling (FDP) sagte, das Land sei den Lehrern mehr schuldig als ein Blockmodell. Kai Seefried (CDU) meinte, Heiligenstadt habe mit lediglich „kosmetischen Korrekturen“ die Chance auf eine echte Einigung vertan.

Ministerin Frauke Heiligenstadt dagegen sprach mit Blick auf ihr Gesamtpaket, das weitere Erleichterungen für Pädagogen verspricht, von „einem Meilenstein auf dem Weg hin zu weniger Stress in den Klassenzimmern“.

 Kleinere Klassen, weniger Klausuren

Entlastung für Schulleiter: Das neue Altersteilzeitblockmodell ist auch für Rektoren eine Chance, früher aus dem Job auszuscheiden. Nach der alten Regelung hätten ältere Schulleiter nur in Teilzeit arbeiten können, aber das sei an der Spitze einer Schule kaum möglich, sagte Grünen-Bildungsexpertin Ina Korter. Überhaupt würden Schulleiter derzeit in mehreren Bereichen entlastet. Ab August müssen Leiter von Förderschulen drei Stunden weniger unterrichten, um stattdessen den Einsatz der Sonderpädagogen an Regelschulen besser organisieren zu können. Auch für die Leiter kleiner Ganztagsschulen soll die Unterrichtsverpflichtung um eine Stunde sinken. Auch die anderen Lehrer würden entlastet, hieß es, etwa dadurch dass die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre ausgedehnt und gleichzeitig die Zahl der Klausuren vor allem in der Oberstufe reduziert werde. Wer weniger korrigieren müsse, habe mehr Zeit für Unterricht. Weil immer mehr Schulen zu Ganztagsschulen werden und Lehrer auch für Förderunterricht oder Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag eingesetzt werden können, sinkt nach Angaben des Kultusministeriums der Korrekturaufwand für den Einzelnen noch weiter. Kleinere Klassen – höchstens 26 Kinder in der Grundschule und 30 in der Sekundarstufe I – kämen den Lehrern auch zugute. dö 

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