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Niedersachsen SPD zweifelt Hafensanierung an
Nachrichten Politik Niedersachsen SPD zweifelt Hafensanierung an
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19:49 13.07.2012
Von Klaus Wallbaum
Stephan Weil (links) und Olaf Lies besichtigten am Montag mal wieder den Jade-Weser-Port. Quelle: Ingo Wagner
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Wilhelmshaven

In der Spundwand des Jade-Weser-Port klaffen mehr als 260 Löcher, und davor wird nun eine 600 Meter lange Betonwand gesetzt. Doch hält diese überhaupt? Zweifel daran hegt der SPD-Wirtschaftsexperte Olaf Lies: „Es ist nicht sorgfältig genug geprüft worden, ob nicht doch eine zweite stählerne Spundwand besser gewesen wäre.“ Der Termindruck sei bestimmend gewesen - denn für eine zweite Spundwand hätte erst der Stahl bestellt und vorgepresst werden müssen, und dies hätte zu einer bis zu fünf Monate dauernden Verzögerung geführt. „Die Regierung will aber vor der Landtagswahl den Hafen eröffnen.“

Der SPD-Politiker erinnert an den künftigen Hafenbetreiber Eurogate, der auch Skepsis gegenüber der Betonmauer geäußert hatte. Diese Wand könne von Wasser unterspült und brüchig werden, zumal sie nicht so tief im Boden befestigt werden kann wie eine stählerne Konstruktion. Zwar hat Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) als Aufsichtsratschef der bremisch-niedersächsischen Jade-Weser-Port-Gesellschaft wiederholt solche Zweifel vom Tisch gewischt - der Untergrund sei sorgfältig vorbereitet worden, außerdem werde die Wand an den sogenannten Fenderpfählen befestigt. Ein Unterspülen sei kaum möglich.

Lies, ein gelernter Ingenieur, teilt diesen Optimismus nicht. Nach seinen Informationen wolle auch Eurogate noch einmal gutachterlich prüfen lassen, ob Beton- und Stahlwand tatsächlich technisch gleichwertig sind. Falls nämlich später Schäden auftreten könnten und die Reparatur den Hafenbetrieb einschränke, könne dies bei Eurogate zu Umsatzeinbußen führen. Dann kann die Frage relevant sein, wer einen solchen Schaden zu tragen hat.

Auch die immer noch ungeklärte Frage nach der Ursache der mehr als 260 Löcher in der Spundwand spricht nach Lies’ Worten nicht für die jetzt gewählte Betonwand. Eine Vermutung lautet, die Schäden seien beim Einrammen der Bohlen in den Boden geschehen. Ein Führungsgerät, der „Mäkler“ wurde nicht verwendet, da er nur umständlich zu beschaffen gewesen wäre. Nun kamen Mutmaßungen hinzu, beim Einrammen sei auf einen speziellen Schmierstoff verzichtet worden. Beide Möglichkeiten haben die Baufirmen unter Leitung des federführenden Unternehmens Bunte aus Papenburg zurückgewiesen - ein Gutachten werde dies unterstreichen und die fehlerfreie Arbeit der Baufirmen belegen. Dieses Gutachten ist auch für die Frage relevant, wer am Ende die Kosten der Sanierung zu tragen hat. Nun kursieren Hinweise, die Beschaffenheit des Bodens könne die Ursache sein - und zwar zu einem Zeitpunkt, da die Spundwände schon eingerammt waren. „Wenn es aber so sein sollte, dass der Druck des Bodens so stark war, dass die Spundwand aufgeplatzt ist, dann besteht diese Gefahr fort - und die Betonwand müsste dann ganz besonders stabil sein, um solche Belastungen auffangen zu können“, meint der SPD-Politiker Lies.