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Niedersachsen Sander will Atommüll notfalls oberirdisch endlagern
Nachrichten Politik Niedersachsen Sander will Atommüll notfalls oberirdisch endlagern
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22:29 10.05.2011
Von Klaus Wallbaum
Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander. Quelle: Rainer Surrey
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Die Bundesregierung sollte diese Variante prüfen“, sagte Sander am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Eine solche Aufbewahrung böte die Chance, den Abfall bei einem späteren wissenschaftlichen Fortschritt in einigen Jahrzehnten womöglich als Energieträger zu nutzen.

Nach Sanders Worten ist der Abschluss der Erkundung des Salzstocks in Gorleben unbedingt nötig. Dies sei „schon aus rechtlichen Gründen“ erforderlich, weil es eine Option auf einen Endlagerstandort geben müsse. Daneben jedoch empfiehlt der Umweltminister Alternativen: So sollten sich alle Bundesländer für die Frage öffnen, ob es zu Gorleben Alternativen gibt, etwa die Lagerung in Tonschichten. Dass der künftige Regierungschef von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sich schon bereit gefunden hat, findet Sander lobenswert. Maßgeblich für die Prüfung solle die Einschätzung sein, dass ein Endlager nicht für die Ewigkeit den Müll einschließen müsse, wie es das Konzept in Salzgestein wie in Gorleben vorsieht. Angepeilt werden sollten vielmehr kürzere Zeiträume, die jedoch einige hundert Jahre umfassen könnten.

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Diese Position Sanders deckt sich mit der Ansicht des Forschers Frank Schilling vom Karlsruher Institut für Technologie, der am Dienstag gegenüber „Spiegel Online“ heftige Kritik an der bisherigen Praxis der Zwischenlagerung geübt hatte: Weil die Anforderungen an ein Endlager so hoch seien und die Erkundung so lange dauere, stehe der Müll derzeit in unzureichend geschützten Zwischenlagern, etwa in Gorleben. Dies hält Schilling für unhaltbar und fordert stattdessen die rasche Einrichtung von besser geschützten Kurzzeit-Endlagern.

Nach Ansicht von Sander kommt als zweite Alternative der Bau eines oberirdischen Endlagers für 100 bis 150 Jahre in Betracht. „Ein solcher Bau könnte auf dem Gelände eines stillgelegten Kernkraftwerkes entstehen“, sagt der niedersächsische Minister. Wichtig sei, diese Halle gegen Flugzeugabstürze, Bombenangriffe oder Naturkatastrophen abzusichern. Er wolle sich nicht für einen solchen Weg aussprechen, betonte der FDP-Politiker. Mit Nachdruck setze er sich aber dafür ein, diese Variante in die Diskussion über die Endlagerung einzuführen. Beim Koalitionspartner in Hannover und Berlin, den Christdemokraten, erkenne er ebenfalls Signale in diese Richtung, fügte Sander hinzu.

CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler nannte Sanders Ansatz „völlig richtig“. Die Endlagerung sei „eine Kernfrage im neuen Energiekonzept“.