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Niedersachsen Schlechte Noten für Service der Landesbehörden
Nachrichten Politik Niedersachsen Schlechte Noten für Service der Landesbehörden
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11:34 20.07.2010
Von Karl Doeleke
Freundlichkeit muss geübt werden: Beamter beim Telefontraining Quelle: dpa
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In einer vor einigen Jahren aufgelegten Kampagne wirbt die Landesregierung ja bekanntlich für die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts Niedersachsen. „Sie kennen unsere Pferde – lernen Sie unsere Stärken kennen“, heißt es da etwa. Offen und interessiert auf Fragen der Bürger zu reagieren, scheint jedoch keine Stärke der Regierungsmitarbeiter in Niedersachsen zu sein – jedenfalls wenn man dem „Regierungstest“ folgt, den die Fachzeitschrift „politik & kommunikation“ in allen 16 Bundesländern hat durchführen lassen. Den Spruch eines anderen, weiter südlich gelegenen Bundeslandes müsste man demnach abwandeln, wollte man ihn auf Hannover münzen: „Wir können alles – außer freundlich sein.“ Niedersachsen landet in gleich mehreren „Disziplinen“ auf den hinteren Rängen, einmal sogar als Schlusslicht.

Tester der Firma Qualiance hatten sich im Auftrag des Magazins als Bürger ausgegeben und sich in jedem Bundesland jeweils fünfmal telefonisch und fünfmal per E-Mail mit landestypischen Fragen aus dem Bereich Innen-, Wirtschafts- oder Bildungspolitik an Ministerien und Staatskanzlei gewandt – etwa mit einer Frage nach Fördermitteln für die energetische Sanierung eines Altbaus. Getestet wurden Freundlichkeit und Geschwindigkeit der Antworten und ob diese formell und inhaltlich richtig waren.

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Das Ergebnis für Niedersachsens Landesregierung ist wenig schmeichelhaft: Das Land belegte in puncto Kompetenz seiner Regierungsmitarbeiter den fünftletzten Platz. Nur jede dritte Antwort war richtig. Das wiederum könnte an der mangelnden Bereitschaft liegen, den Fragesteller überhaupt anzuhören und ihm hilfreich zu dienen: Im sogenannten Serviceranking belegte Niedersachsen mit 57 von 100 möglichen Punkten den vorletzten Platz.

In einer Kategorie landete Niedersachsen sogar ganz hinten: Eine freundliche Begrüßung und die Bereitschaft, den Gesprächspartner ausreden zu lassen, scheint nicht zum Gesprächskanon in Hannover zu gehören. Jedenfalls hat Niedersachsen im Testfeld „Kommunikationsverhalten und Empathie“ so schlecht abgeschnitten wie kein anderes Bundesland. Es sind Berichte wie dieser, die Abzüge brachten: „Auf die Frage, ob ich bei einer Frage noch einmal anrufen könnte und wie der Name sei, sagte er schnippisch: ’Ich bin namenlos, das hat seine Gründe’“, hat ein Tester notiert.

„Unmöglich“, nennt Ursula Helmhold, Geschäftsführerin der Grünen im Landtag, das Verhalten der Regierungsmitarbeiter, wie es der Test suggeriert. „Die Landesregierung ist für die Bürger da und soll ihnen helfen“, sagt die Grüne und hat den Test zum Anlass für eine Anfrage im Landtag genommen: „Servicewüste Landesregierung?“, fragt sie und will wissen, was diese denn zu tun gedenkt, „um den niedersächsischen Bürgerinnen und Bürgern künftig besseren Service bieten zu können“.

Regierungssprecherin Nina Hacker will „aus Respekt vor dem Parlament“ zuerst die Antwort im Landtag abwarten, bevor sie weitere Fragen beantwortet – und verweist auf eine andere Erhebung: Die Sprecher der Landesregierung hätten in einem Test des Jahres 2007 besonders gut abgeschnitten.