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Niedersachsen Schülerband „Reaktion“ hat am Atommülllager ersten großen Auftritt
Nachrichten Politik Niedersachsen Schülerband „Reaktion“ hat am Atommülllager ersten großen Auftritt
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19:07 13.05.2011
Von Karl Doeleke
Aramis (v. l.), Anjo, Emil, Can und Tim haben mit ihrer Band Reaktion einen bemerkenswert politischen Song gegen die Asse aufgenommen. Quelle: Stiller
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Sein Zuhause im Kreis Wolfenbüttel liegt nur sieben Kilometer von der Asse entfernt, und in dem alten, von einsickerndem Wasser bedrohten Salzstock ist ja bekanntlich ziemlich viel Atommüll verklappt worden.

Aus Protest dagegen hat er einen Rocksong geschrieben, einen ziemlich guten sogar, musikalisch irgendwo zwischen „Echt“ und „Wir sind Helden“ angesiedelt. „Wir wollen den Müll nicht bei uns haben“, sagt Anjo. Das Lied ist so gut, dass der Elfjährige und seine vier Bandkollegen von „Reaktion“ am Sonnabendabend einen großen Auftritt haben werden: Die Veranstalter der „Nacht am Schacht“ haben die elf und zwölf Jahre alten Jungen ganz kurzfristig für ihre Protestkundgebung an der Asse gebucht, erzählt Veranstalter Udo Dettmann, nachdem das Lied, (es ist eigentlich schon zwei Jahre alt) in den vergangenen Wochen über das Internet immer populärer geworden ist. Mit 5000 bis 10.000 Teilnehmern rechnen die Veranstalter der „Nacht am Schacht“. „Das ist aufregend für uns“, sagt Tim, der Bassist der Band: „Unser erster großer Auftritt, und es werden so viele Leute da sein.“

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Warum Anjo einen Song gegen die Asse geschrieben hat, beantwortet der Schlagzeuger so: „Weil immer mehr Atommüll produziert wird, und wir nicht mehr wissen, wohin damit.“ Angeblich war er erst neun Jahre alt, als er die bemerkenswert politischen Zeilen des Stücks verfasst hat: „Die Asse ist ein gefährlicher Berg, gefährlicher als ein Atomkraftwerk“, heißt es da. „Wir demonstrieren schon dagegen, die Politiker steh’n nur dumm daneben.“ Anjos Lösungsvorschlag: „Schießt den Atommüll auf den Mond oder dahin, wo keiner mehr wohnt ...“

Populär gemacht hat den Assesong die Musikschule „Fit in Music“ aus Braunschweig. Schulleiter Peter Brenner hat das Stück auf einem Schülerkonzert gehört und war so begeistert, dass er den fünf Jungs eine Aufnahmesession in einem professionellen Musikstudio und einen Videodreh spendiert hat. Emil, dem Sänger, hat es im Studio gefallen: „Das war, glaube ich, einer der besten Tage in meinem Leben.“

Über eine eigene Internetseite und die Videoplattform YouTube verbreitet die Band den Assesong. Er wird inzwischen sogar schon in hochseriösen Internetblogs erwähnt, wo sonst über die aktuellen Entwicklungen der Atompolitik der Bundesregierung diskutiert wird. Das kann nur im Sinn der Band sein: „Ich möchte sehr gerne so viele Leute wie möglich mit dem Lied erreichen“, wünscht sich Anjo.

Das dürfte „Reaktion“ am Sonnabendabend bei der „Nacht am Schacht“ gelingen. Um 17.30 Uhr zieht ein Protestzug vom Schulzentrum in Remlingen in Richtung Schachtanlage. Aus Salzgitter macht sich schon eine Stunde früher der „Treck gegen Dreck“ vom Schacht Konrad auf. An der Asse treffen beide Züge zusammen. Auf dem Parkplatz spielen dann neben „Reaktion“ drei weitere Bands, das Info-Zentrum der Asse ist bis 22 Uhr geöffnet.