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Niedersachsen Schünemann warnt vor „scherzhaften“ Amokaufrufen
Nachrichten Politik Niedersachsen Schünemann warnt vor „scherzhaften“ Amokaufrufen
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Am Sonntagabend hat ein 15-Jähriger aus Bramsche bei Osnabrück angekündigt, in seiner Schule einen Amoklauf verüben zu wollen. Noch in der Nacht zu Montag kam die Polizei in sein Elternhaus, nahm den Jugendlichen in Gewahrsam. Seit Montag sitzt er in der Psychiatrie – kein Einzelfall in Niedersachsen.

30 Schüler hätten in den vergangenen Tagen Amokläufe angekündigt, berichtet Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, die meisten „aus Scherz“. Doch Schülern wie auch Eltern vergeht meistens das Lachen, wenn ihnen die Quittung für den üblen Scherz präsentiert wird. „Da können Einsatzkosten von 10 000 Euro oder sogar bis zu 20 000 Euro auf die Eltern zurollen“, sagt Schünemann.

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Von den 30 Urhebern seien 24 sofort ermittelt worden, berichtet Schünemann und warnt: „Das Ganze ist eine Straftat und wird von uns mit aller Härte verfolgt.“ Besonders drastisch findet der Innenminister den Fall eines Elfjährigen, der im Raum Wilhelmshaven mit Schreckschusspistole und Patronen in seiner Klasse auftauchte und damit angab. Der CDU-Politiker wünscht sich daher, dass die Kommunen in die Lage versetzt werden, stichprobenartig zu kontrollieren, ob Waffenbesitzer ihre Waffen auch richtig aufbewahren – strikt unzugänglich für Kinder. „Da müssten auch unangemeldete Besuche rechtlich möglich werden.“

Unangemeldete Besuche müssen auch Verkäufer von Computerspielen künftig fürchten. Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) kündigte am Montag an, Testkäufer einzusetzen, um zu kontrollieren, ob Geschäfte sogenannte Killerspiele an Minderjährige verkaufen. „Es ist erschreckend, wie leicht Kinder und Jugendliche an Spiele kommen, die nicht für sie frei gegeben sind“, sagte Ross-Luttmann. Die Aktion solle wie die bereits laufenden Testkäufe von Alkoholika durch Jugendliche organisiert werden. Als Testpersonen sollen Auszubildende aus Verwaltung und Behörden eingesetzt werden. Bei Verstößen müssen Verkäufer mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Die Ministerin reagierte damit auch auf eine aktuelle Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), die am Montag vorgestellt wurde. Die Forscher warnen darin vor der hohen Suchtgefahr von bestimmten Computerspielen. Vor allem das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ könne süchtig machen, sagte KFN-Direktor Christian Pfeiffer. Unter Jugendlichen gebe es rund 50.000 Computerspielsüchtige.

Wie berichtet, will sich Ross-Luttmann nun bei den Länderkollegen dafür stark zu machen, die Altersfreigabe von Spielen mit hohem Suchtfaktor auf 18 Jahre heraufzusetzen. Pfeiffer forderte zudem, Computersucht müsse als Krankheit anerkannt werden.

von Michael B. Berger und Dirk Schmaler

Saskia Döhner 16.03.2009
Marina Kormbaki 16.03.2009