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Niedersachsen Schule fällt so oft aus wie seit Jahren nicht mehr
Nachrichten Politik Niedersachsen Schule fällt so oft aus wie seit Jahren nicht mehr
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14:56 23.11.2015
Von Heiko Randermann
Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Quelle: Holger Hollemann
Hannover

Noch im vergangenen Schuljahr hatte das Ministerium eine Quote von 102,9 Prozent verkündet. Die Unterrichtsversorgung ist ein rechnerischer Mittelwert. Grundsätzlich gilt: Wenn die Zahl unter 100 Prozent sinkt, häufen sich die Unterrichtsausfälle im Land. Bei der Zahl 99,5 handele es sich um einen Näherungswert, der sich noch leicht verändern könne, betonte Heiligenstadt.

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Das Ministerium hat ihn aktuell erhoben, um damit eine vom Verband der Elternräte der Gymnasien ermittelte Zahl zu kontern. Der Verband hatte aufgrund einer Umfrage die Unterrichtsversorgung auf 97 Prozent geschätzt. In einzelnen Fächern wie Mathematik, Physik oder Musik sollen bis zu 40 Prozent der Stunden ausfallen. Diese Zahlen wies Ministerin Heiligenstadt als „reine Panikmache“ und „nicht belastbar“ zurück.

Opposition kritisiert Ministerin

Doch die Opposition kritisierte gleichwohl die von der Ministerin genannten 99,5 Prozent. „Das ist eine historisch niedrige Unterrichtsversorgung. Da muss man endlich handeln“, sagte der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Seefried. FDP-Schulexperte Björn Försterling warf Heiligenstadt vor, seit Amtsantritt rund 600 Lehrerstellen abgebaut zu haben, das entspreche einem Budget von 30 Millionen Euro. „Sie sparen zulasten einer Schulform, die Ihnen nicht in den Kram passt“, so Försterling.

Die Ministerin verteidigte sich dagegen: Das Land habe in diesem Jahr 2500 Lehrer eingestellt. Es gebe wie vor zehn Jahren 86 000 Lehrer im Land und gleichzeitig 140 000 Schüler weniger als damals. Die dadurch entstandenen Kapazitäten habe man für Qualitätsverbesserungen in den Schulen genutzt.

Das wiederum sorgte bei Seefried für Spott: „Wir liegen jetzt bei 99 Prozent Unterrichtsversorgung, trotz frei werdender Ressourcen. Das muss man erst mal hinkriegen, so viel falsch zu machen“, sagte der CDU-Schulexperte im Landtag.

Eine Sprecherin des Kultusministeriums erklärte den Sturz von 102,9 auf 99,5 Prozent in weniger als einem Jahr mit der Flüchtlingskrise: Die Sprachförderung sei massiv überzeichnet. „Wir haben 7000 Stunden mehr drin als vorgesehen.“ Die Flüchtlinge seien nicht alle an den Gymnasien, der Ausgleich laufe aber über alle Schulformen. Auch habe die Kompensation des Oberverwaltungsgerichtsurteils, das die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer gekippt hatte, Kapazitäten gefordert, räumte die Sprecherin ein.

Krankentage sind in Quote nicht enthalten

Rechnerischer Wert: Der Wert der Unterrichtsversorgung erfasst, ob den Schulen für die Pflichtstunden, das Ganztagsprogramm und einen Reservepool an Vertretungsstunden ausreichend Lehrer zur Verfügung stehen. Nicht erfasst sind in dieser Statistik allerdings kurzfristige Ausfälle wie Krankheiten oder Schwangerschaften. Auch bei einem scheinbar hohen Durchschnittswert wie 99 Prozent kann es also viele Schulen geben, die mit Lücken zu kämpfen haben und andere, bei denen keine Stunden ausfallen.
Gewerkschaften fordern seit Langem, dass für lückenlosen Unterricht die Versorgung deutlich über 100 Prozent liegen müsse. Ministerin Heiligenstadt hielt dagegen: Auch mit einer Versorgung von 96 Prozent würden die Pflichtstunden erfüllt. ran

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