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Niedersachsen Schulfrei wegen Schweinegrippe
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19:13 20.08.2009
Nicht wegen Schweinegrippe, sondern wegen der Hitze blieb die Käthe-Kollwitz-Schule am Donnerstag ab mittags geschlossen.
Nicht wegen Schweinegrippe, sondern wegen der Hitze blieb die Käthe-Kollwitz-Schule am Donnerstag ab mittags geschlossen. Quelle: Bernhard Remmers
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Auch an zwei Schulen in Bad Iburg und Georgsmarienhütte mussten Schulklassen zu Hause bleiben.

Beim Landesgesundheitsamt hat man offenbar wenig Verständnis für solche Maßnahmen. „Das Schließen von Schulen oder eine Beurlaubung ganzer Klassen halte ich generell nicht für notwendig“, sagte Markus Kirchner am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung, „Das sollten wir uns sehr gut überlegen.“ Der Experte für übertragbare Krankheiten warnte vor Panikmache. Schulen sollten vor einer solchen Entscheidung auf jeden Fall mit dem örtlichen Gesundheitsamt sprechen.

An der Käthe-Kollwitz-Schule in Osnabrück gibt es bislang einen bestätigten Fall der sogenannten Schweinegrippe. Drei weitere Kinder an der Haupt- und Realschule haben alle Symptome der Krankheit, ohne dass bislang eine Bestätigung aus dem Labor vorliegt. 20 andere Schüler klagen über einzelne Anzeichen der neuartigen Grippe wie Halsschmerzen, Fieber oder Husten. Schulleiter Altenhoff war das Grund genug, den kompletten Jahrgang zu beurlauben. Wegen des hohen Krankenstandes hätte der Unterrichtsstoff ohnehin später wiederholt werden müssen, meinte der Pädagoge.

„Wenn der Schulleiter das für sinnvoll hält, dann muss er das selbst entscheiden und verantworten“, erklärte am Donnerstag der Sprecher des Landkreises, Burkhard Riepenhoff. Der Gesundheitsdienst habe die Schule noch einmal auf wirkungsvolle Vorbeugemaßnahmen wie das gründliche Händewaschen hingewiesen. Altenhoff selbst wollte am Donnerstag seine Entscheidung öffentlich nicht mehr begründen.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) machte sich derweil dafür stark, auch Lehrer und Erzieher in den Kindergärten in die Massenschutzimpfungen einzubeziehen. Die Ansteckungsgefahr sei bei bis zu 35 Kindern und Erwachsenen auf engstem Raum außerordentlich hoch, warnte die VBE-Vorsitzende Gitta Franke-Zöllmer.

Dem widerspricht das Sozialministerium entschieden. „In Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Altenheimen gab es bislang keine großen Infektionswellen“, sagte Sprecher Thomas Spieker. Deshalb sei es wichtiger, zunächst neben chronisch Kranken und Schwangeren, medizinisches Personal zu impfen. Denn in Krankenhäusern seien Patienten ohnehin schon geschwächt und könnten sich leichter anstecken. „Weil die Krankheit oft milde verläuft, sind manchmal Krankenschwestern oder Pfleger infiziert, ohne es zu wissen.“ Zwar sollten sich chronisch kranke oder schwangere Lehrerinnen schützen, von einer generellen Impfung für Pädagogen hält der Sprecher aber nicht viel. „Dann müssten wir auch Busfahrer impfen lassen.“

Insgesamt haben sich mittlerweile 2300 Menschen landesweit mit der Schweinegrippe angesteckt. Großflächige Isolationsmaßnahmen seien nicht nötig, sagte Kirchner. Erkrankte Kinder sollen zu Hause bleiben. Geschwister könnten aber weiter die Schule oder den Kindergarten besuchen. Vorsicht müsse man bei Kindern unter zwei Jahren walten lassen.

von Bernhard Remmers und Saskia Döhner