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Niedersachsen Schulleiterinnen aus Bad Bevensen überlastet
Nachrichten Politik Niedersachsen Schulleiterinnen aus Bad Bevensen überlastet
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23:10 18.05.2009
Von Saskia Döhner
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Zwölf Lehrer kümmern sich um die 185 Kinder in acht Klassen – eine kleine Schule, aber ein großer Verwaltungsaufwand. Lehrerin zu werden sei ihre Berufung gewesen, sagt Gatz. Doch mittlerweile ist aus dem Traumjob eine Last geworden. Die Bürokratie nehme seit zwei Jahren ständig zu, klagt die 59-Jährige. „Ich muss Formulare ausfüllen, die eigentlich Schreibkräfte bearbeiten könnten, andere wichtige Dinge bleiben liegen.“

Irgendwie sei da ein Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins: „Das Land schmeißt uns immer neue Brocken vor die Beine.“ Eine Wochenendfortbildung habe sie beispielsweise absagen müssen, weil sie nach einer Woche Listen durchsehen immer noch keinen Vertretungslehrer gefunden hatte.

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19 Stunden unterrichtet Gatz in der Woche. „Mit beiden Beinen in der Klasse zu stehen, ist wichtig“, sagt sie. Mindestens doppelt so viel Zeit verbringt sie indes mit Verwaltungsarbeit. Nachmittags erreiche sie allerdings kaum noch jemand in der Landesschulbehörde, und die Pausen am Vormittag seien für Telefonate viel zu kurz. „Manchmal ist es zum Verzweifeln“, klagt sie.

Schon im Oktober hat Gatz wie ihre Kollegin Friederike Hein (53), die die Waldschule in Bad Bevensen leitet, bei der Landesschulbehörde eine Überlastungsanzeige gestellt. Knut Markuszewski, Bürgermeister der Samtgemeinde, sorgt sich um die Gesundheit der engagierten Grundschulleiterinnen. „Wir fürchten, dass sie unter der Arbeitslast irgendwann zusammenbrechen.“ Im März hat der Samtgemeindeausschuss deshalb einstimmig eine Resolution an das Kultusministerium verabschiedet und bessere Rahmenbedingungen für die Leiter der drei Grundschulen in der Samtgemeinde gefordert.

Je kleiner die Schule, desto weniger Anrechungsstunden gibt es für Verwaltungsarbeit. „Das geht nicht auf“, findet Gatz. Zudem gebe es an kleinen Schulen – anders als an großen Systemen – auch keinen Konrektor. Da sei es kein Wunder, dass viele kleine Grundschulen für freiwerdende Leiterstellen keinen oder gerade mal einen Bewerber finden, meinen Hein und Gatz. „Wer will das schon machen?“

Ob Bücherausleihe, Einstellungsgespräche mit Lehrern, Einschulungsgespräche mit Eltern und Kindern, Sprachtests, die Besoldung der pädagogischen Mitarbeiter, Haushaltspläne erstellen – manchmal weiß auch Friederike Hein nicht, wo ihr der Kopf steht. Sie kommt morgens um 7.30 Uhr und verlässt ihr Büro selten vor 18 Uhr. Trotzdem ist der Schreibtisch der 53-Jährigen voll mit Akten. „Ich habe das Gefühl, die Bürokratie bremst mich, ich komme einfach nicht mehr voran“, sagt sie. Die Wochenenden, die Ferien seien ausgefüllt mit Verwaltungsarbeit.

Den Vergleich mit einem Wirtschaftsunternehmen mag Hein nicht: „Eine Schule ist keine Firma, und ein Schulleiter ist auch kein Manager.“ Und überhaupt: „In welchem Betrieb ist der Chef vormittags in der Produktion tätig und nachmittags Manager?“

Der spürbare Schülerrückgang bringt für die beiden Leiterinnen keine Entlastung, eher im Gegenteil: „Die Klassen werden größer.“ Und Sitzkreise, wie sie in der Grundschule üblich sind, sind mit 28 Schülern in einem engen Raum alles andere als eine gemütliche Sache.

Für vieles, was „man sich da im Kultusministerium am grünen Tisch in der Großstadt Hannover ausdenkt“, haben Gatz und Hein wenig Verständnis. Dass sich kleine Schulen zu einem Verbund zusammenschließen, sei ja ein guter Ansatz, aber angesichts von Entfernungen von rund zwölf Kilometer zwischen den einzelnen Standorten sei ein gemeinsames Management ohnehin weniger praktikabel. Eine flexible Eingangsstufe, ein Mittagstisch, Unterricht in gesunder Ernährung – Ideen für ihre Schulen haben Hein und Gatz viele. Nur fehlt ihnen die Zeit.