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Niedersachsen Sextäter soll nicht mehr als Lehrer unterrichten dürfen
Nachrichten Politik Niedersachsen Sextäter soll nicht mehr als Lehrer unterrichten dürfen
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15:39 15.09.2010
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Am Ende war der öffentliche Druck wohl zu groß: Ein wegen sexuellen Missbrauchs einer 15-jährigen Schülerin verurteilter Gymnasiallehrer soll nun offenbar doch nicht mehr unterrichten dürfen. Noch am Montag hatte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gesagt, das Land habe keinerlei juristische Handhabe mehr, der Fall sei abgeschlossen. Am Dienstagnachmittag hieß es plötzlich, man prüfe, den Pädagogen in den Verwaltungsdienst zu versetzen.

Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer hatte schon im Juni, als der Fall bekannt geworden war, verlangt, dass Lehrer, denen der sexuelle Missbrauch an Kindern eindeutig nachgewiesen worden ist, nicht mehr unterrichten dürfe. Bereits im Jahr 2008 war der Gymnasiallehrer wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen rechtskräftig verurteilt worden. Über Jahre hatte sich der heute 59-Jährige an einem Mädchen vergangen, das er nicht nur unterrichtete, sondern auch noch im Leistungssport beinahe täglich trainierte. Er hatte die Jugendliche geküsst, unsittlich berührt und war mit den Fingern in sie eingedrungen. Sportkameradinnen hatten ebenfalls von Belästigungen durch den Mann berichtet.

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Trotzdem hatte die Landesschulbehörde entschieden, ihn im Schuldienst zu belassen. Er unterrichtet seitdem an einem Gymnasium, das rund 90 Kilometer von seiner alten Arbeitsstelle entfernt liegt. Er soll im Sportverein auch wieder Kinder trainieren. Erneuten Wirbel hatte die jetzt veröffentlichte Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Ina Korter ausgelöst. In dem Schreiben heißt es, die strafrechtliche Sanktion und die Rückstufung um zwei Besoldungsstufen reichten aus, um sicherzustellen, dass der Beamte künftig die gesetzlichen Grenzen einhalten werde.

Der öffentliche Aufschrei war daraufhin groß. Immer mehr Landespolitiker und Bildungsexperten forderten in den letzten Tagen, den Lehrer nicht mehr unterrichten zu lassen. FDP-Fraktionschef Christian Dürr verlangte gestern, ihn in den Verwaltungsdienst zu versetzen. Angesichts der rund 170 Lehrer, die von Schulen derzeit landesweit an die Schulbehörde abgeordnet seien, müsste dies doch ein Leichtes sein, meinten Frauke Heiligenstadt (SPD) und Christa Reichwaldt (Linke) übereinstimmend.

Lehrerverbände forderten, künftig genauer hinzugucken: „Es gibt einen großen Graubereich“, sagt Horst Audritz vom Philologenverband. Es sei besser, wenn Lehrer und Schüler ein distanzierteres Verhältnis hätten. GEW-Chef Eberhard Brandt sagte, Lehrern müsste besser erklärt werden, wie sie sich in solchen Fällen zu verhalten hätten. Heidrun Korsch von der Direktorenvereinigung sagte, Schulleiter, die einen strafversetzten Lehrer an ihre Schule bekämen, müssten eingehend vorher über die Umstände aufgeklärt werden. In dem vorliegenden Fall hatte der Direktor erklärt, nicht genau zu wissen, was dem Lehrer vorgeworfen wurde.

Saskia Döhner