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Niedersachsen Sorge wegen Gasvorkommen unter Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen Sorge wegen Gasvorkommen unter Gorleben
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17:06 22.10.2010
Von Margit Kautenburger
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Erdgasvorkommen unter dem Salzstock Gorleben könnten die Sicherheit eines künftigen Endlagers derart gefährden, dass dem Projekt Gorleben der Todesstoß drohe, urteilt der Kieler Geologe Prof. Klaus Duphorn. Die Grünen im Landtag sprechen von „abenteuerlichen Erkenntnissen“: „Gasvorkommen unter oder neben einem möglichen Endlager – das wirft viele Fragen auf, auf die wir keine Antworten haben“, sagt der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel.

Das Problem begann mit einer Bohrturm-Explosion vor 41 Jahren. DDR-Geologen hatten in Lenzen, fünf Kilometer nordöstlich von Gorleben, seinerzeit Erdgas gefunden. Um das Gas zu fördern, wurde der Salzstock Gorleben angebohrt, in dem, einige Kilometer weiter westlich, das mögliche Endlager für hochradioaktiven Müll untergebracht werden soll. In rund 3000 Metern Tiefe trafen die Geologen damals auf Schwierigkeiten. Ein Gemenge aus Erdgas, Gasolin und Salzlauge stand unter hohem Druck. Am 25. Juni 1969 kam es zur Explosion mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten. Mit hohem Druck schoss ein Gas-Gasolin-Laugen-Gemisch nach oben. Die Bohrung steckte mitten im Salz des Salzstocks Gorleben, wo das Gas eigentlich nicht erwartet wurde. Das geht aus Bohrakten von damals hervor.

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Im Bundesumweltministerium heißt es, die von dem Geologen Duphorn postulierten Gefahren für ein Endlager „bestehen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht“. Mit Gas- und Lösungseinschlüssen im Salz müsse gerechnet werden. Diese seien sicherheitstechnisch bedeutend und müssten im Rahmen der untertägigen Erkundung erfasst und bewertet werden. Die Grünen im Landtag verlangen Aufklärung. Man arbeite an einer Großen Anfrage, berichtete Fraktionschef Wenzel. Die Linken betonen, Gasvorkommen und die Durchlässigkeit für Wasser seien Ausschlusskriterien bei der Lagerung von Atommüll. Sie fordern ein Umdenken bei der Lagerung. „Die Tauglichkeit von Standorten kann niemals für die Ewigkeit beurteilt werden“, sagt der Abgeordnete Kurt Herzog. Atommüll müsse jederzeit kontrollier- und rückholbar sein.