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Niedersachsen Stade nennt sich künftig Hansestadt
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12:23 20.03.2009
Unbekannte haben bereits am Mittwoch das Ortsschild mit dem Zusatz „Hansestadt“ versehen. Quelle: Roland Magunia/ddp
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Postkarten und Aufkleber weisen ebenfalls auf die hanseatische Tradition hin. „Wir erhoffen uns dadurch, touristisch noch mehr zu punkten und überregionale Gäste anzulocken“, sagt Frank Tinnemeyer, Leiter der Stader Tourismus GmbH. Schließlich besitze Stade trotz guter Zahlen durchaus noch mehr touristisches Potenzial.

Im vergangenen Jahr konnte die neue Hansestadt ein Plus von 20 Prozent bei den Übernachtungen verbuchen. Nur Papenburg legte mit einem Zuwachs von 23 Prozent im Landesvergleich noch stärker zu. Mit dem neuen Titel lasse sich die Werbung optimieren, sagt Tinnemeyer. Gäste könnten sich unter Hansestadt schon vor der Reise nach Stade etwas vorstellen. Erste positive Auswirkungen ließen sich bereits an den Buchungs- und Reservierungszahlen ablesen.

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Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof (SPD), der sich seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren beharrlich für den Hanse-Titel eingesetzt hat, freut sich nicht nur für die Tourismusbranche. „Die Hanse spielt eine wichtige Rolle in dem Bewusstsein der Bürger. Sie ist im alltäglichen Leben präsent und daher haben die Stader diesen Titel verdient.“ Die heimliche Schilderaktion zeige das Selbstbild der Stader. „Gleich in der Nacht der Zusage wurden die Schilder mit dem Schriftzug Hansestadt beklebt“, sagt Rieckhof. Das sei ein eindeutiges Zeichen von Patriotismus auf lokaler Ebene.

Und auch die gelebten Traditionen seien neben dem Stadtbild mit der maritimen Architektur und den beiden Häfen Zeichen der Hanse. „Wir haben vier Brüderschaften, die alle aus der Hansezeit stammen und bis heute ihr jährliches Stiftungsfest feiern“, sagt Rieckhof. Mit diesen Argumenten konnte der Sozialdemokrat schließlich überzeugen, obwohl Stade dem Hansebund, einer vom 12. bis zum 17. Jahrhundert bestehenden Vereinigung der niederdeutschen Kaufleute, nur 350 Jahre lang angehörte.

Offiziell allerdings darf sich Stade erst ab dem 2. Mai Hansestadt nennen. Dann wird Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei einem Festakt im Rathaus den Titel verleihen. Das ist auch der Beginn eines Festjahres mit Shanty-Chorfestival und dem Internationalen Holk-Fests, das nach einem Holk, einem Schiff aus der Hansezeit, benannt ist. Hinzu kommen in diesem Jahr gleich noch zwei Jubiläen, und zwar 750 Jahre Stapel- und 800 Jahre Stadtrecht. Daher wird erstmals das „HanseFest“ vom 18. bis 20. September rund um den Stadthafen gefeiert.

Dann wird Stade endlich offiziell Frieden mit der Hansestadt Hamburg schließen, denn das Stader Stapelrecht von 1259 war eine Kampfansage an Hamburg. Schiffe, die von der Nordsee kamen, mussten zunächst im Stader Hafen ihre Waren anbieten und durften erst danach weiter auf der Elbe nach Hamburg fahren. Auf einer Kogge wird der symbolische Frieden während des „HanseFestes“ zwischen Rieckhof und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) besiegelt. „Die beiden Bürgermeister werden von Stader Sand aus die Schwinge hochfahren und in den Stader Stadthafen einlaufen“, sagt Carsten Voigt von der Arbeitsgemeinschaft Aktuelles Stade als Mitorganisator des Festjahres.

Zunächst steht am 16. Mai das Hansemahl am „Tag des Hanse“ an. Die Brüderschaften laden zu ihrem traditionellen Labskaus ein. „Es ist mir wichtig, dass die Stader und auch Gäste in das Festjahr einbezogen werden und nicht nur ein offizieller, abgeschirmter Akt im Rathaus stattfindet“, sagt Rieckhof.
Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. So sollen unter anderem die rund 50 Ortseingangsschilder ausgewechselt werden. „Das werden wir wohl nicht ganz schaffen, aber zu mindestens an den Hauptverkehrsstraßen werde die Schilder ersetzt, damit unsere Gäste den neuen Titel sehen und keine illegalen Schriftzüge auf den legalen Titel hinweisen“, sagt der Bürgermeister.

ddp