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Niedersachsen Grüne wollen Antworten zu Steinhoff
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00:34 07.04.2018
Bilanzen gefälscht, Milliarden weg? Der Stammsitz des Möbelkonzerns liegt in Westerstede.
Bilanzen gefälscht, Milliarden weg? Der Stammsitz des Möbelkonzerns liegt in Westerstede. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Der Skandal um den finanziell angeschlagenen Möbel-Konzern Steinhoff erreicht jetzt auch die niedersächsische Landesregierung. Die Grünen-Landtagsfraktion will wissen, wie die SPD/CDU-Koalition auf die Turbulenzen um den internationalen Konzern mit Stammsitz in Westerstede (Kreis Ammerland) reagiert. „Da haben sich möglicherweise zehn bis zwölf Milliarden Euro in Luft aufgelöst, und keiner in der Landesregierung sagt einen Ton dazu“, sagte der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel der HAZ. „Steuerprüfung und Steuerfahndung müssen auch internationale Konzerne prüfen, um Steuerausfälle zu verhindern.“

Die Grünen haben zwei parlamentarische Anfragen zu Steinhoff gestellt, die erste bereits Anfang März. Eine Antwort der Landesregierung liegt bisher nicht vor. Der frühere Umweltminister Wenzel will in seiner aktuellen Anfrage unter anderem wissen, ob Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei seiner Südafrika-Reise im Mai das heikle Thema ansprechen wird. Der börsennotierte Möbel- und Handelskonzern, der in Amsterdam registriert ist, wird  von Südafrika aus geführt. Dort schlägt der Skandal hohe Wellen.

Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte der HAZ, es sei „durchaus möglich“, dass Weil das Thema ansprechen werde. Das Finanzministerium wollte sich mit Veweis auf das Steuergeheimnis nicht zu möglichen Prüfungen bei Steinhoff äußern. Das Wirtschaftsministerium erklärte, es gebe keine Berührungspunkte mit Steinhoff.

Der Konzern wird seit Dezember 2017 von einem Skandal erschüttert. Steinhoff-Manager sollen jahrelang Bilanzen gefälscht haben. Wie jetzt bekannt wurde, waren alleine mehrere Immobilien in Europa mit einer Milliarde Euro zu hoch bewertet. Die Aktie brach gegenüber dem Börsengang Ende 2015 um mehr als 90 Prozent ein, die Steinhoff-Gruppe, einst rund 24 Milliarden Euro wert, stand Ende vergangenen Jahres angeblich am Rande des Ruins. In Niedersachsen ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg.

Der langjährige Vorstandsvorsitzende Markus Jooste musste seinen Stuhl räumen. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder traten zurück, darunter neben Firmengründer Bruno Steinhoff auch dessen Freund und ehemalige Partner, der ebenfalls stark in Südafrika enagierte Textilunternehmer Claas E. Daun aus Rastede (Kreis Ammerland). Daun wiederum ist eine wichtige Kontaktperson für die niedersächsischen Landesregierungen in Südafrika. Bei Ministerreisen ans Kap standen in der Vergangenheit auch seine Unternehmen auf dem Besuchsprogramm.

Die Unternehmensberater von PwC wollen bis Ende 2018 die rund 700 Tochterunternehmen des Konzerns überprüfen. Die Steinhoff-Gruppe taucht wegen Briefkastenfirmen im Ausland auch in den Panama- und Paradise-Papers auf.

Von Marco Seng