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Niedersachsen Stephan Weil will’s wissen
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20:45 08.07.2012
Von Michael B. Berger
Ein rotes „Weil“-T-Shirt bekam Torsten Albig (l.) in Hameln geschenkt – der Namensgeber und SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil applaudiert. Quelle: dpa
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Hameln

Niedersachsens Sozialdemokraten scheinen irgendwie aus dem Häuschen zu sein. Vorne, in der Hamelner Rattenfängerhalle, steht Schleswig-Holsteins neuer Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Mikrofon – und heizt  wie ein amerikanischer Erweckungsprediger dem Saalpublikum kräftig ein. „Lasst diese Wahl den ersten Schlussschritt zum Ende der Merkel-Regierung werden, vertilgt endlich diesen letzten schwarzen Fleck auf der roten Weste des Nordens.“ Die Wahl, von der Albig spricht, ist Niedersachsens nächste Landtagswahl am 20. Januar. Hier soll nach Albigs Worten das Gesetz der Serie greifen – und der Hannoveraner Stephan Weil den Deutsch-Schotten David McAllister ablösen.

Am Sonnabend haben die Sozialdemokraten mit fast schon chinesisch anmutenden Prozentzahlen Weil zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt – 98,9 Prozent auf einer Delegiertenversammlung. Auf dem direkt anschließenden Landesparteitag wurde der 53-jährige Jurist, der seit 2006 die Landeshauptstadt Hannover „regiert“, noch einmal als Landesvorsitzender bestätigt – mit 95,2 Prozent.

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Das ist etwas weniger als vor sechs Monaten in Oldenburg, als Weil von einem Sonderparteitag mit 98,6 Prozent ins Amt des Parteivorsitzenden bugsiert wurde. Damals hatte er seinen Konkurrenten Olaf Lies abgelöst, der im Mitgliederentscheid um die Frage der Spitzenkandidatur den Kürzeren gezogen hatte. „Mittlerweile macht mir das Amt richtig Spaß“, sagt Weil. Und Olaf Lies, der neben ihm auf dem Podium sitzt, verzieht nur einmal kurz die Miene, als der Braunschweiger Hubertus Heil hervorstreicht, wie weitblickend doch die Wahl Weils damals gewesen sei.

Die Genossen wollen an diesem Sonnabend Einigkeit demonstrieren. Sie warten gar nicht lange ab und springen nach der Rede des Spitzenkandidaten so schnell von den Sitzen, dass der Eindruck von Spontaneität gar nicht erst aufkommt. Fast eine Stunde lang redet Weil, schwärmt vom neuen „Wirgefühl“ in der SPD, von neuem Selbstbewusstsein und Siegeswillen. Neue Umfragen sagten sogar eine Mehrheit der SPD vor der CDU voraus. „Aber ich warne auch vor Hochmut“, sagt Weil. „Der Wahlkampf hat noch nicht begonnen.“

Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn begonnen hat er bereits. Nur die großen Plakate, die etwa einen überlebensgroßen Weil präsentieren, hängen noch nicht überall herum.

Weil verspricht bei seiner Wahl ein Ende der „Stillstandspolitik“ dieser Landesregierung, die angeblich den demografischen Wandel verschlafe und keine Konzepte habe. Er verspricht die Abschaffung von Studiengebühren – und dass man keine Lehrerstellen streichen wolle. Er gelobt, mehr „auf Augenhöhe“ mit den Menschen im Lande zu verkehren, als es die derzeitige Landesregierung tue.

Die Regionen, die vor der CDU-Ära von den Bezirksregionen verwaltet wurden, sollen neue Ansprechpartner bekommen. Das bisherige Landwirtschaftsministerium solle zu einem Querschnittsressort aufgewertet werden – für Europa und regionale Entwicklung. Aber so richtig Stimmung bringt Weil in den Saal, wenn er das Wort „„Wahlkampf“ auf seine Art zerlegt. „Es besteht aus zwei Silben, die Wahl ist am 20. Januar, der Kampf davor.“ Die „anderen“, sagt Weil, hätten deutlich mehr Geld und würden „alle Register ziehen“. Das fechte aber die SPD nicht an.  

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